DGV Tagung 2007

Anne Kuhlmann-Smirnov: Zwischen Gabe, Weltneugier und höfischer Repräsentation : Zur frühneuzeitlichen Präsenz und Mobilität von Afro-EuropäerInnen in Mitteleuropa

„Hofmohren” waren an den größeren mitteleuropäischen Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts keine Seltenheit. Während besonders in England und Frankreich Menschen afrikanischer Herkunft in den Hafenstädten und Metropolen unabhängig von höfischen Patronagesystemen Diasporen bildeten, ist nach derzeitigem Stand der Forschung davon auszugehen, dass sich der überwiegende Teil der Schwarzen in Mitteleuropa in der höfischen Welt bewegte. In historischen Dokumenten - Hofrechnungen, Reisebeschreibungen, Kirchenbüchern, Testamenten, Fürstenportraits u.a. - erscheinen sie in erster Linie als Objekte der höfischen Inszenierung von Herrschaft: als über den langen Arm genealogischer und kaufmännisch-transatlantischer Beziehungsnetzwerke transferierte „fürstliche Gaben” und Repräsentanten höfischer Kultur, als edle oder devote Assistenzfiguren in Portraits, aber auch als persönliche Paten ihrer Herrschaft und Teilerben in Testamenten. Als Generatoren von Exklusivität stehen sie in einem Zusammenhang mit dem ab etwa Mitte des 17. Jahrhunderts aufkommenden Phänomen der Curiositas, einer neuen Lust am Fremden, Seltenen und Außerordentlichen, die eine bis dahin nicht bekannte „eigene Psychologie des Wissens” (L. Daston) hervorbrachte, die weder Vorläufer in der mittelalterlichen Tradition der Naturphilosophie hatte noch Nachfolger in der Aufklärung. Aus der Perspektive von höfischer Repräsentation, Gabentausch und frühneuzeitlicher Weltneugier sucht sich der Vortrag Bedeutungen und Bewegungen von Menschen afrikanischer Herkunft an einer oszillierenden Grenze zwischen Objekt und Subjekt, Prestigeträger und Mediatoren sich wandelnder Weltbilder zu nähern.

Workshop:

33 | Afro-EuropäerInnen im deutschsprachigen Raum der Frühen Neuzeit

Termin:

Donnerstag, 04.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal D