In Kap Verde, einem Inselarchipel vor der Küste Senegals, bestimmt die Fähigkeit, naturräumliche und politische Grenzen zu überwinden, die Position des Subjekts innerhalb der lokalen Gemeinschaft.
Hier gibt es jene, die immobil sind und denen qua ihres Unvermögens, Grenzen zu überschreiten, die Möglichkeit, am Angebot der Moderne zu partizipieren, verwehrt bleibt. Angesichts sozialer und ökonomischer Armut beinhaltet in vielen Fällen nicht die eigene Mobilität, sondern die Fähigkeit, dauerhafte Beziehungen zu Grenzüberschreitern aufzubauen, eine Chance für das eigene Lebensprojekt.
Weiterhin gibt es jene, denen es gelingt, sich aus der Umklammerung des Lokalen zu lösen und die im Verlauf des Hin- und Herwanderns die eigenen Spielräume erweitern, möglicherweise die Staatsbürgerschaft verdoppeln oder wechseln und als Kosmopoliten die Macht und die Bedeutung nationalstaatlicher Grenzen minimieren.
Schließlich gibt es auch noch jene, die als ehemalige Emigranten Kap Verde verließen und nach langjähriger Sozialisation in Nordamerika oder in Europa als Delinquente in ihre ‚Heimat’ abgeschoben werden, obwohl sie sich dort weder politisch noch kulturell zugehörig fühlen. Die staatlichen Politiken der Grenzkontrolle verweisen sie zurück auf die Position der Immobilen, gleichzeitig hat der Zeitraum ihrer Abwesenheit die kulturelle Differenz in die Leiber der Deportierten eingeschrieben, wodurch die soziale Integration nur selten gelingen kann.
An diesem Ort haben sich die politischen Grenzen unterschiedlicher nationalstaatlicher Regimes ins Innere des Lokalen verlagert. Ich möchte das Fallbeispiel nutzen, um die kulturelle und soziale Dimension von politischen Grenzen zu beleuchten und über den Dritten Raum als Teil lokaler Realitäten zu reflektieren.