DGV Tagung 2007

Konrad Hofer: Der Ethnograph als verdeckter Ermittler

Die teilnehmende Beobachtung wird zurecht als „Königsdisziplin” qualitativer Forschungsmethoden bezeichnet.
Gerade in einer Forschung in der eigenen Gesellschaft kann dabei die verdeckte von der offenen teilnehmenden Beobachtung unterschieden werden:

1. Verdeckte teilnehmende Beobachtung
Die verdeckte teilnehmende Beobachtung hat den großen Vorteil, die soziale Wirklichkeit hautnah erleben und damit einen weitgehend unverfälschten Zugang zu den Handlungen der Untersuchungspersonen erlangen zu können.
Der Nachteil, kaum Tonbandaufzeichnungen machen zu können, wird durch den engen persönlichen Kontakt zu den Untersuchungspersonen mehr als wettgemacht. Die abgefassten Gedächtnisprotokolle erreichen durch die hohe Intensität und zeitliche Dauer der Teilnahme an den Alltagshandlungen eine große Aussagekraft, die Validität der Daten ist sehr hoch.

2. Offene teilnehmende Beobachtung
Diese bleibt bezüglich der Annäherung an die unverfälschte, soziale Wirklichkeit bereits weiter vorne stehen und setzt eine gute Kommunikationsfähigkeit und -basis zu den Untersuchungspersonen voraus. Der Forscher/die Forscherin muss sich darüber im Klaren sein, dass in der Interaktion mit den Untersuchungspersonen Fassaden aufgebaut werden, die nicht immer leicht zu erkennen und oft schwierig zu überwinden sind.

Der Vortrag soll darüber hinaus Antworten zu folgenden wichtigen Fragestellungen geben:
a) Wann ist die Datenerhebung abgeschlossen, wann ist das Kriterium der Repräsentativität erfüllt?
b) Wann und wie werden die gewonnenen qualitativen Daten ausgewertet?
c) Wie erkenne ich, ob eine These stimmig ist oder nicht?

Workshop:

25 | Neo-klassische Feldforschung: Mikroskopische Ethnographie als Grundlage ethnologischer Wissensbildung

Termin:

Mittwoch, 03.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal XVIII