Felix Girke: Feld - Forscher: Wer stellt die Fragen?
Die teilnehmende Beobachtung ist zunächst eine opportunistische Methode. Sie leugnet das privilegierte Ausgangswissen und Erkenntnisinteresse, und suggeriert Offenheit dem Ereignis gegenüber. Dies steht in einem konzeptuellen Widerspruch zur Wissenschaftspraxis, die in allen ihren Mechanismen nach Eindeutigkeit und Fokus verlangt, und die tendenziell ereignisorientierte Ethnographie als anekdotisch abtut. Die Herausforderung für eine Ethnographie von Interaktion und Ereignis ist nun, unmittelbare Kontingenz nicht als Problem, sondern als Strukturationsbedingung zu sehen. Arbeit im Feld kann dementsprechend steuernd-opportunistisch sein, sogar initiativ-anstiftend; das Ereignis wird damit als gleichermaßen strukturierend sowohl für die soziale Wirklichkeit als auch für den Erkenntnisprozeß erkannt. Erarbeitete mikroskopische Daten, Anekdoten, sind in dieser doppelten Darstellung Zeugnis von Emergenz, dem andauernden Zustand des Werdens von Kultur. Durch diese steht der Ansatz der opportunistischen Beobachtung jeglichem Determinismus und jeglicher Reifizierung entgegen. Anhand von Beispielen aus der Feldforschung in Kara, Südäthiopien, macht der Vortrag einige Vorschläge zur weiteren Diskussion.