Andrea Herbert, Marburg: „Ayahuasca-Heilerinnen der Shipibo-Konibo“
Die Region Ucayali in Ost-Peru erfährt seit Jahrzehnten einen verstärkten Zulauf von „spirituellen Touristen”, die gezielt Schamanen aufsuchen, um unter ihrer Anleitung das Halluzinogen Ayahuasca zu konsumieren, das aus der traditionellen indianischen Medizin - z.B. der Shipibo-Konibo - bekannt ist. Während männliche Heiler aus der Umgebung Pucallpas sich schon in Assoziationen zusammengeschlossen und „Schulen” gegründet haben, die auch mit offiziellen Institutionen zur Förderung des Tourismus kooperieren, stehen die Heilerinnen weniger im Rampenlicht. Frauen-Schamanen nehmen einen Nischenplatz im Gesellschaftsgefüge der Shipibo-Konibo ein; der heilerische Umgang mit Ayahuasca fällt traditionell in den Aufgabenbereich des männlichen Schamanen. Gespräche ergaben ein facettenreiches Bild von „curanderas secretas” (Heilerinnen, die vorwiegend Nicht-Shipibo behandeln), die im touristisch geprägten Umfeld von Pucallpa zahlungskräftigen gringo-Patienten ihre Dienste anbieten, und von Frauen, die von Schamanismusanhängern ins Ausland eingeladen werden, um dort Patienten zu heilen. Sind weibliche Schamanen bei den Shipibo-Konibo ein „Produkt” des Tourismus, oder schafft der Tourismus den Frauen lediglich die Rahmenbedingungen für eine neue, nicht vom Kunsthandwerk abhängige Verdienstmöglichkeit? Der Kurzbeitrag berichtet über ein viermonatiges Projekt zur Untersuchung des weiblichen Schamanismus der Shipibo-Konibo und stellt Gemeinsamkeiten und Unterschiede von männlichen und weiblichen Heilern im touristischen Umfeld heraus.