Der Beitrag widmet sich zwei Fragen, die trotz ihrer politischen Aktualität und praktischer Ausdehnung, wenig Aufmerksamkeit innerhalb der ethnologischen Forschung finden, nämlich der zeitgenossischen Popularität von Konfliktexpertise und der Verflechtung dieses neuen, professionalisierten Feldes mit dem alten Entwicklungsdiskurs.
Seit dem Ende des Kalten Krieges hat der Konfliktdiskurs eine zentrale Position innerhalb der globalen, institutionalisierten Kanäle des Expertwissenstransfers und der internationalen Zusammenarbeit eingenommen. Heute konstituiert das Konfliktfeld sowohl ein annerkanntes Berufsfeld als auch ein schnell expandierender Bildungs- und Theoriebildungsbereich.
Der Vortrag thematisiert die Frage nach dem Erfolg des Konfliktdiskurses aus einer kritischen, diskursorientierten Perspektive. Unabdingbar für die Verarbeitung einer solchen Fragestellung ist erstens die historiche Suche nach den disziplinären Wuerzeln dieses globalen Experten-Diskurses. Zweitens soll der sozio-politsche Kontext der “post-kalten-Krieg-Welt” als fruchtbaren Boden für die rasche Verbreitung des Konfliktdiskurses beleuchtet werden. Neoliberale Praktiken erweisen einen enormen Einfluss nicht nur auf die Praxis sondern auch auf die Theorie der internationalen Zusammenarbeit. Drittens wird der Konflikdiskurs immer häufiger mit dem der Entwicklung in Beziehung gebracht bzw institutionell verflochten. Der vorgeschlagene Ansatz denkt das Konzept des Konfliktes (zusammen mit dem Korruptiondiskurs) als neuere Episode in der post-kolonialen Welt der Entwicklungszusammenarbeit.
Der Vortrag basiert sich auf ersten Ergebnissen einer laufenden empirischen Forschung im Feld der “Conflict Resolution/Peace” in Beirut und in Genf.