Die Arbeitsfelder Dezentralisierung und Bürgerbeteiligung genießen derzeit in der Entwicklungszusammenarbeit hohe Aufmerksamkeit. Im Falle Guatemalas konzentriert sich das Interesse auf das 2002 im Zuge von Gesetzesreformen zur Dezentralisierung eingeführte System der Entwicklungsräte. Vorgestellt werden soll eine Studie zur Implementierung dieser Räte auf lokaler und kommunaler Ebene, die im Auftrag des DED in zwei indigenen Gemeinden am Atitlán-See durchgeführt wurde. An Hand dieser Studie wurden Empfehlungen für künftige Kooperationen des DED mit Entwicklungsräten formuliert und gemeinsam mit den lokalen Akteuren mögliche Lösungsansätze zur Konsolidierung der Räte erarbeitet.
Neben den Ergebnissen der Studie sollen Rollenkonflikte als forschende Ethnologin und Mitarbeiterin einer Entwicklungsorganisation sowie die Problematik widerstreitender Interessen und Erwartungen an den Dezentralisierungsprozess seitens der verschiedenen beteiligten Akteure thematisiert werden. Daraus ergibt sich zum einen die praxisbezogene Frage nach der Möglichkeit eines kulturrelativistischen Ansatzes im Bereich der Förderung von Demokratisierung und Bürgerbeteiligung. Zum anderen soll erörtert werden, inwieweit Studien zu Dezentralisierung einen ethnologischem Erkenntnisgewinn bringen können, indem sie zeigen, wie staatlich verordnete Maßnahmen von der lokalen Bevölkerung bei der Umsetzung an ihre spezifische Situation angepasst werden und welche Konflikte dabei entstehen.