Für Umzusiedelnde bedeutet der Ortswechsel nicht nur die existentielle Erfahrung des Verlusts der Lebensgrundlage. Äußerungen der Manasir, Bewässerungsbauern am Nil im Nordsudan, die aufgrund eines Staudammbaus kurz vor der Umsiedlung (August 2008) ins Zentrum des Niltals stehen, machen deutlich, dass es vor allem um die Frage geht, wie lebenswert die neuen Siedlungsgebiete sind, das heißt, inwieweit sie dort einen neuen, sicheren Lebensort erschaffen können. Heimatverlust und Heimisch-Werdung spielen folglich eine zentrale Rolle im Prozess der Umsiedlung. Was bedeutet Heimat für die Manasir? Der Beitrag beschäftigt sich mit bereits erhobenen Daten und der Skizierung eines Forschungsvorhabens (Dissertation). Anhand von Filmmaterial werden verschiedene Facetten von Ortsverbundenheit aufgezeigt, die durch die Umsiedlung als stark gefährdet wahrgenommen werden. Bedroht sind vor allem kulturell geteilte Vorstellungen von den an den Lebensraum gebundene Gefühle der Kontinuität, Sicherheit und Identität. Konzepte des Place Attachment bzw. Place Disruption aus der Katastrophenforschung haben bisher kaum Eingang in die Analyse von geplanten Umsiedlungsprozessen gefunden. Eine mögliche Herangehensweise soll in Bezug auf ein Forschungsvorhaben dargestellt werden.