DGV Tagung 2007

Michael Bollig: After resettlement. Ethnologische Perspektiven auf Resettlement Programme in Afrika (Namibia, Südafrika)

In den politischen Debatten Südafrikas und Namibias spielt die Landfrage eine herausragende Rolle. In beiden Staaten ist die Verteilung von kommerziellen Großfarmbetrieben an Kleinbauern wichtiger Bestandteil der Regierungsprogramme, um einerseits zu einer gerechten Verteilung von Land, andererseits aber auch zu einer Lösung der Armutsfrage zu gelangen. Von verschiedenen politischen Lagern wird betont, dass die „Lösung der Landfrage” grundlegend sei, um die friedliche Entwicklung der Gesellschaft zu ermöglichen. Die Debatte behandelt allerdings meist Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und des rechtlichen Status der Angesiedelten. Dagegen existiert kaum Literatur, die soziale, ökonomische und/oder kulturelle Prozesse nach erfolgter Umsiedlung thematisiert.

Der Vortrag wird die grundlegenden Fragen der Landreformprogramme kurz zusammen fassen, um dann aus der Perspektive der politischen Ökologie die sozialen und kulturellen Konsequenzen der Umsiedlung zu skizzieren. Wer erhält die Möglichkeit, durch ein Umsiedlungsprogramm Zugang zu Land zu erhalten? Neben ethnischen Kriterien spielen Alter und Geschlecht bei der Landverteilung eine bedeutende Rolle. Vormalige Farmarbeiter scheinen ebenfalls immer wieder zu den Begünstigten der Programme zu zählen. Entstehen auf Resettlement-Farmen neue soziale Gruppen (Kooperationen, Farmerverbände) oder spielen die Beziehungen der Angesiedelten zu den Herkunftsgemeinschaften weiterhin eine primäre Rolle? Vor allem auf Farmen, auf denen ethnisch homogene Gruppen (z.B. San) angesiedelt werden, wäre die rasche Konstitution von neuen Gemeinschaften denkbar. Auf welcher Art und Weise eignen sich die Neuangesiedelten das zugeteilte Land an? Wird das Land über vertraute landwirtschaftliche Strategien genutzt oder werden innovative Techniken eingesetzt? Wird das zugeteilte Land als Privatbesitz verstanden? Oder spielen Gruppenrechte eine wichtige Rolle (de facto bleibt das Land in Staatsbesitz)? Obwohl für die angesprochenen Fragenkomplexe insgesamt erstaunlich wenig Literatur vorliegt, ist davon auszugehen, dass erst die sozial- und kulturwissenschaftliche Durchdringung dieser Themen, zu einer angemessenen Bewertung bisheriger Erfolge und Misserfolge der Umsiedlungspolitik führen kann.

Workshop:

19 | „Resettlement“ Projekte in Afrika - vergleichende Perspektiven zur Aneignung von neuen Lebensräumen

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal XXI