DGV Tagung 2007

Cathrin Horstmann: Umsiedlungserfahrungen aus Baadawwaachcho (Hadiyya), Südäthiopien: Berichte aus der ethnographischen Werkstatt

Während der großen Dürrezeit Äthiopiens in den 1980er Jahren liess das sozialistische Regime des Landes (Amharisch: Derg) in diversen Regionen massive Umsiedlungsmaßnahmen durchführen, von denen mehrere Hunderttausend Personen betroffen waren. Siedler aus dem Baadawwaachcho-Woreda in Südäthiopien wurden damals in Umsiedlungslager (Amharisch: Sefera) der Regionen Gojjam und Illubabor in Nordwest- und Südwest-Äthiopien überführt. Meist mussten sie sich dabei auf extreme klimatische Verhältnisse und eine Veränderung ihrer politischen Teilhabemöglichkeiten einstellen. Die psychischen Belastungen, denen sie aus verschiedenen Gründen ausgesetzt waren, beziehen die Informanten meist auf eine erste Phase der Umsiedlung. In den Interviews sprechen die meisten meiner Gesprächspartner von einer darauf folgenden Zeit, die sie mit den Begriffen “Anpassung” und “Landeskenntnissen” als relativ positiv bewerten. Trotz der von ihnen aufgezeichneten Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse zogen viele der Siedler aber in ihre Heimat zurück, sobald sich ihnen die Möglichkeit bot. Einmal zurückgekehrt erwartete die Haushalte ein ökonomisches Risiko, das u.a. auf dem Verlust ihres ursprünglichen Landes beruht und durch den ungebrochenen Wunsch nach Familienzuwachs weiter verschärft wird. Rezente Umsiedlungsmaßnahmen der EPDRF-Regierung könnten daher von Vielen als nahezu einzige realistische Möglichkeit wahrgenommen werden, um die finanzielle Situation der Familie langfristig zu verbessern. Dennoch führen Informanten gewichtige Gründe gegen eine erneute Umsiedlung an.

Mein Vortrag soll einen kurzen überblick über die Motive zur Teilnahme an Umsiedlungsprogrammen bzw. zur Rückkehr der Siedler geben, die den Erfolg derartiger Programme beeinflussen kann.

Workshop:

19 | „Resettlement“ Projekte in Afrika - vergleichende Perspektiven zur Aneignung von neuen Lebensräumen

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal XXI