DGV Tagung 2007

Regina Knapp, Wolfgang Davis: Bena Bena – Beispiele für einen multiplen iconic turn

Regina Knapp ist bis zu ihrem 6. Lebensjahr in Papua Neuguinea aufgewachsen und führt seit 1997 eine Feldforschung in der Provinz Bena im östlichen Hochland durch. Ihre Feldforschung ist unter anderem Teil ihres Promotionsvorhabens an der Australian National University in Canberra. Im Zuge ihrer Aufenthalte in Neuguinea haben sich die Kontakte in das Dorf intensiviert und seit 1997 ist Regina Knapp von einer Familie adoptiert worden. Als ihr Lebenspartner Mark sie für einige Monate besuchte entstand seitens Reginas Adoptivverwandtschaft die Forderung, dass die beiden traditionell in Bena heiraten sollten. So wurde Mark ebenfalls adoptiert, allerdings von einem anderen Clan, und im Jahr 2005 führte das Dorf eine traditionelle Hochzeit für die beiden Europäer durch. Zur Hochzeit waren ca. 2000 Besucher anwesend, darunter ca. 30 Gäste aus Europa. Jede der Gruppen initiierte dabei Veränderungen im Verhalten der jeweils anderen Gruppe. So setzten die Dorfbewohner z.B. fest, dass die Braut traditionelle Brautkleidung tragen müsse, der Bräutigam hingegen einen formellen westlichen Smoking, den man für den Bräutigam besorgte, da er selbst keinen derartigen Anzug besaß. Die Hochzeit wurde von den westlichen Gästen ebenso wie von einem anwesenden Freund der Familie, dem in PNG gebürtigen weltweit bekannten Filmemacher Martin Maden gefilmt. In der Perspektive der beiden Filmenden Gruppen zeigen sich hochinteressante Interferenzen, die eindeutig aus der Zugehörigkeit zur jeweiligen Gruppe entstehen. Im Vortrag referiert Regina Knapp den ethnologischen Hintergrund des Phänomens, während Wolfgang Davis ausgewählte Filmbeispiele analysiert.

Workshop:

18 | Blinde Flecken - Weite Felder. Der iconic turn als Herausforderung visuell-anthropologischer Forschung?

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal B