Die Produktion von bewegten und unbewegten Bildern, die Bilder selbst und ihre Rezeption stellen mittlerweile einen etablierten Forschungsgegenstand der Visuellen Anthropologie dar. Doch wie ist es um die Rolle des Bildes im Forschungsprozeß selbst bestellt? Welches Potential bieten Fotografie und Film im Feld?
Anhand eines aktuellen Forschungsprojektes über das Phänomen (spät)moderner Weltumsegelungen möchte ich diskutieren, zu welchem Zweck Fotografie ganz konkret in Feldforschung und Analyse eingebunden werden kann und das Spektrum eines ohnehin multimethodischen Forschungsansatzes sinnvoll erweitert. Ein „Cultural Inventory” nach John Collier geht über die rein inventarische Erfassung materieller Kultur hinaus, indem mittels der Fotografien nicht nur die Dinge selbst, sondern auch der räumliche Kontext analysiert wird und Schlüsse etwa über das Verhältnis der Menschen zu den sie umgebenden Dingen zuläßt. Da „Yachties”, die sich grob zwischen Abenteuertouristen und Wohlstandsmigranten verorten lassen, mit und auf ihren Booten reisen und leben, stellen die Yachten selbst einen wichtigen Gegenstand der Untersuchung dar; ein „Yacht Inventory” nach Collier kann hier dazu dienen, z.B. Aussagen über den Grad der „Verhäuslichung” von Fahrtenyachten zu treffen oder auch auffallende Gemeinsamkeiten in der Ausstattung festzustellen.