DGV Tagung 2007

Kerstin Pinther: Architekturen der Migration. Migration der Architektur. Beispiele aus Kunst und Ethnologie

Die Ethnologie hat sich bislang kaum für urbane Architekturen afrikanischer Städte und damit verbundener Vorstellungen von „Heimat und Selbst” interessiert.
Temporäre Bauformen, die Wiederverwendung von Restmaterialien für architektonische Strukturen oder die Transformation einst kolonial implantierter Bauten durch lokale Akteure wurden allenfalls als Forschungsnotiz angeführt, die Kreativität der Stadtbewohner in Verbindung gebracht mit künstlerischen Praxen der Avantgarde. Eine andere Haltung gegenüber städtischen Architekturen existiert in der zeitgenössischen Kunst Afrikas und Europas. Nicht zuletzt unter dem Eindruck einer neuen Ortsbezogenheit steht die selbst organisierte Stadt und ihre Architektur im Zentrum künstlerischen Arbeitens. FotografInnen wie Aglaia Konrad, Karola Schlegelmilch, Francesco Jodice oder Randa Shaat spüren in ihren Bildern den Architekturen in Dakar, Kairo oder Accra nach und bezeugen wie die Alltagspraxen der Stadtnutzer das „Idealprogramm” modernistischer und „offiziell” geplanter Architekturen verändern. Während sich Konrads Arbeiten auf die weltweite Verbreitung der architektonischen und städtebaulichen Ideen der Moderne sowie ihre lokalen Referenzen beziehen, stehen in den digital bearbeiteten Aufnahmen Karola Schlegelmilchs Fragen nach informellen Formfindungsprozessen, nach einer Ästhetik der Sparsamkeit im Vordergrund; andere Fotografien Schlegelmilchs oder Francesco Jodices thematisieren das Formenvokabular der „Migranten-Postmoderne” und zeigen Villen in ungewöhnlichen Stilmischungen. Vor dem Hintergrund der Debatten um das Zusammenspiel von zeitgenössischer Kunst und Ethnologie fokussiert mein Vortrag auf die künstlerischen Arbeiten und setzt diese zugleich in Beziehung zu eigenen Beobachtungen und Forschungen zur Architektur in Dakar.

Workshop:

18 | Blinde Flecken - Weite Felder. Der iconic turn als Herausforderung visuell-anthropologischer Forschung?

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal B