DGV Tagung 2007

Guido Sprenger: Trachten, Sprachen, Rituale: Soziale Reproduktion und die Codierung ethnischer Differenz in Festland-Südostasien

Die Variabilität von ethnischer Identität wie auch von sozialer Reproduktion gehört zu den klassischen Problemen der Ethnografie des südostasiatischen Festlandes. Dieser Vortrag spricht zwei Fragen an: Gibt es in dieser Region Zusammenhänge zwischen Identität (Außengrenze eines Systems) und sozialer Reproduktion? Und lassen sich Identitätsbildungsprozesse systematisch vergleichend untersuchen? Dabei erscheinen soziale Konfigurationen (Ethnien, Dörfer, Clans etc.) als informationsverarbeitende Systeme, deren interne Reproduktion durch Beziehungen zur Umwelt (andere Gruppen, Staaten etc.) mitgestaltet wird, ohne dadurch an Autonomie einzubüßen. Die Beziehungen zwischen Systemen, speziell Ethnien, werden dabei durch Codes reguliert, die auf diverse kulturelle Differenzen zurückgreifen, z.B. Ritual, Kleidung oder Sprache. Dabei ist es gerade die Vielzahl und Relationalität der Codierung, die ihre Charakterisierung als “ethnisch” erlaubt. Die Codes, in denen ethnische Differenzierung ausgedrückt wird, sind hingegen zugleich Mittel interner Reproduktion. Das trifft insbesonders auf den Komplex Ritual/Religion zu. Während die Codierung von Identität als Kommunikationsform unabhängig von modernen Staaten entstand, nahm sie unter ihrem Einfluss stark an Komplexität zu. Dasselbe gilt für die rituell-religiöse Praxis.

Workshop:

16 | Religiöse Dynamik als theoretisches Problem: südostasiatische Perspektiven

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal XV