Die Garínagu, auch bekannt als Garífuna bzw. Schwarze Kariben, sind eine Mischung aus verschiedenen Bevölkerungen, insbesondere Kariben der kleinen Antillen und Sklaven aus Afrika. Sie wehrten sich lange Zeit gegen die Unterdrückung der kolonialen Weltmächte, waren gleichzeitig aber stark in wirtschaftliche und politische Beziehungen verwickelt. Nach ihrer Deportation nach Roatán/Honduras begannen sie, entlang der karibischen Küste zu siedeln. Trotz der zu Beginn teils erfolgreichen Integration in die bald unabhängigen mittelamerikanischen Staaten, blieben die Garínagu in weitgehend kulturell isolierten Dörfern zurück. Durch den Niedergang der Bananen- und Tropenholzindustrie Mitte des 20. Jahrhunderts sind sie einerseits in ihre subsistente Existenz zurückgedrängt worden, andererseits spielt die nationale und internationale Migration in die großen Städte eine umso wichtigere Rolle, die ihnen den Rückzug aus der regionalen Verflechtung erlaubt, auf der anderen Seite aber den Blick für kulturelle Differenzen schärft. Neuerdings wittern die Garínagu ihre Chance im Bereich des Ethnotourismus, nicht zuletzt durch die Anerkennung ihrer Sprache, Tänze und Musik durch die UNESCO im Rahmen der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit.
Der Beitrag erörtert Aspekte der Selbstidentifikation der Garínagu, analysiert Faktoren, die eine kulturelle Revitalisierung und Ethnisierung erlauben, und setzt diese in den theoretischen Kontext der permanenten Hybridisierung.