Lioba Rossbach de Olmos: Was ist mit dem Schwarzen Pazifik im Schwarzen Atlantik? Afrokolumbianische Fragen an das Black Atlantic-Konzept von Paul Gilroy
Der „Black Atlantic” Paul Gilroys hat zur Jahrhundertwende neue Fragen an die Afroamerikaforschung wie auch an den Kulturbegiff aufgeworfen. In Kolumbien, wo zu Beginn der 1990er Jahre politische Neuerungen insbesondere an der kolumbianischen Pazifikregion eine eigene, um nicht zu sagen eigenwillige Debatte über die verschiedenen afroamerikanischen Bevölkerungsgruppen des Landes angestoßen haben, trifft Gilroys Konzept auf seine Grenzen. Der Vortrag will den Black Atlantic mit wichtigen kolumbianischen Diskussionssträngen zur afrokolumbianischen Bevölkerung der Pazifikregion konfrontieren und wird dabei herausarbeiten, dass dort weniger panafrikanische Fragen, Aspekte und Figuren Bezugspunkte der Diskussion bilden, sondern die in ganz Lateinamerika verbreiteten indigenen und ethnischen Bewegungen mit ihrer Konzentration auf Landrechte, politische Autonomie oder auch Umwelt. Der Black Atlantic scheint zwar die problematische nationalÂstaatliche Gebundenheit des Kulturbegriffs überwunden zu haben, doch wird zugleich sein angelsächsischer Zuschnitt offensichtlich, der hispanoamerikanische Debatten unberücksichtigt lässt.