DGV Tagung 2007

Marko Scholze und Hauke Dorsch: Grenzüberschreitende Griots und Tuareg im Tourismus - Erfahrungen mit multi-sited und mobiler Forschung

Seit etwa einem Jahrzehnt werden in der Ethnologie Fragen zu Möglichkeiten multilokaler und mobiler Formen der Feldforschung diskutiert. Um dem Mangel expliziter Reflexion der empirischen Praxis und der konkreten Erfahrungen mit diesen neuen Methoden entgegenzutreten, gehen wir in diesem Paper Fragen nach Grenzen und Möglichkeiten multilokaler und mobiler Feldforschung als Ergänzung zur traditionellen ethnographischen Methodik am Beispiel unserer Forschungen in Westafrika, Europa und Nordamerika nach.

Aufbauend auf unsere diesbezügliche Publikation[1] werden wir unsere Forschungserfahrungen mit Tuareg, Griots, Touristen und Popmusikern präsentieren. Über einen reinen Erfahrungsbericht hinaus will dieses Paper aber auch eine Diskussion der unterschiedlichen Aspekte des Konzeptes der Multisitedness als Perspektive, als Theorie bzw. Forschungsstrategie und als Methode anregen. Bereits im Forschungsdesign war die Notwendigkeit angelegt, im Marcus’schen Sinne Symbolen, Netzwerken und Akteuren zu folgen. Angesichts des auf diese Weise entgrenzten Feldes, werden wir fragen, was das Feld in der ethnologischen und dann auch multilokalen Forschung ausmacht. Da im Kontext der Forschungen Tuareg als Reiseleiter und Griots als konzertierende Weltmusiker sowohl als Akteure, als auch als Symbole afrikanischer Authentizität untersucht wurden, bedeutete die Multilokalität auch das Erschließen neuer Forschungsfelder, wie etwa die Analyse der Reproduktion dieser Symbole in Filmen, Zeitschriften, belletristischer Literatur, etc. Beschreibungen der Forschungen entlang der Netzwerke, als auch der Versuche, den Akteuren auf den Fersen zu bleiben, machen deutlich, welche neuen, von Forschungsreisen der vergangenen Jahrhunderte zu unterscheidende Herausforderungen mobile Forschung heute darstellt. Schließlich werden wir versuchen, multilokale und mobile Feldforschungsmethoden genauer zu definieren.

Workshop:

14 | Grenzüberschreitungen – die Implikationen der multi-sited ethnography für die Ethnologie und ihre Gegenstände

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal D


[1] Dorsch, H. und M. Scholze (2005): Erfahrungen mit beweglichen Zielen - Anmerkungen zur Ethnographie unter Bedingungen der Globalisierung. In: Sociologus 55. Jg., Heft 2, S. 143-179