DGV Tagung 2007

Liselotte Hermes da Fonseca: Plastination - Körperwelten - Körperhandel: Eine Technologie und seine weltweiten Auswirkungen

1995 wurde eine anatomische Ausstellung - mit echten menschlichen Körpern, die durch die in Deutschland erfundene Technologie der Plastination konserviert worden waren - in Japan gezeigt. Der Erfolg war immens und führte 1997 zu der ersten großen Ausstellung, den „Körperwelten” (in Deutschland). Seit dem tourt nicht nur diese Ausstellung weltweit (es sind mittlerweile drei Körperwelten-Ausstellungen), sondern unzählige Konkurrenzausstellungen ziehen Millionen Besucher auf allen Kontinenten an. Damit ist eine weltweite Handelskonkurrenz mit menschlichen Körpern jenseits der ‚wissenschaftlichen Nutzung’ ausgebrochen, die mit den kulturellen und rechtlichen Unterschieden der jeweiligen Länder jongliert. Doch obwohl die Körperwelten immer für die Beachtung der kulturellen Eigenheiten plädiert, zielen sie immer auch auf die Auflösung aller Unterschiede in einer „grenzenlos flexiblen Körper-Welt”: Eine Welt ohne Grenzen, seien es die kulturellen zwischen den Ländern oder auch die internen. Vergleiche der verschiedenen Rezeption, des jeweiligen rechtlichen Umgangs, aber auch der Ausstellungsweise, die von Land zu Land variiert, sowie der verschiedenen Konkurrenzausstellungen unter einander zeigen somit zwei verschiedene Bewegungen: eine zugleich kulturell vereinheitlichende und differenzierende Legitimation. Das macht es nicht nur möglich die Argumente der Ausstellungsmacher vergleichend abzuwägen und zu problematisieren, sondern ebenso das eigene Wissen in seiner Grenzziehung und Unterscheidung zu hinterfragen: Wissen, das um zentrale Grenzen unserer Kultur kreist, wie zwischen Leben und Tod, den wissenschaftlichen Disziplinen und den verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft.

Workshop:

14 | Grenzüberschreitungen – die Implikationen der multi-sited ethnography für die Ethnologie und ihre Gegenstände

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal D