Die von mir in Ghana und Deutschland durchgeführte multi-lokale Feldforschung vermittelte mir eine lebensweltliche Grunderfahrung ghanaischer Migranten, die mein theoretisches Verständnis der untersuchten Phänomene nachhaltig beeinflusste.
Lohn- und Kaufkraftdifferenzen zwischen Westeuropa und Westafrika ermöglichen es vielen ghanaischen Migranten mittels Beschäftigungen im Niedriglohnsegment des deutschen Arbeitsmarktes materielle Evidenzen eines Mittelklassestatus im Herkunftsland zu schaffen. Das Problem, das sich dabei für die Migranten ergibt, ist, dass ihr Status sowohl in Deutschland als auch in Ghana inkonsistent wird. In Deutschland kann das in Ghana angesparte soziale Kapital an Häusern, Ansehen und abhängigen Personen nicht entsprechend geltend gemacht werden. In Ghana wiederum ist der Mittelklassestatus aufgrund der Art der Erwerbstätigkeit in Deutschland inkonsistent. Die Informationen darüber müssen sozial aufbereitet und gemanagt werden, um den gewonnen Status nicht wieder zu diskreditieren. Diese beiden Formen der Inkonsistenz bleiben aus der Migrantenperspektive dauerhaft aufeinander bezogen. Über die beibehaltene Inklusion in zwei Nationalstaaten und das transnationale Feld, das sie verbindet, konstituiert sich ein dementsprechend ein Paradoxon: Migranten erzielen einen Statusgewinn im Herkunftsland aufgrund eines gleichzeitigen Statusverlustes im Zuwanderungsland.
Die Rekonstruktion dieser empirischen Beobachtung erwies sich als weiterführend für die theoretische Diskussion um sozialen Status. Aufgrund des methodologischen Nationalismus (Wimmer/Glick Schiller), der die soziologische Status- und Ungleichheitsforschung dominiert, wurden transnationale Formen der Statusproduktion bisher weitgehend übersehen. Da sich vergleichbare Formen von mehrfacher, konditionierter Statusinklusion auch bei anderen Migrantengruppen finden, haben multi-sited ethnographies über den beschriebenen Fall hinaus eine wichtige explorative Funktion, um das wissenschaftliche Verständnis der Transnationalisierung sozialer Ungleichheit und ihrer Widersprüche voranzutreiben. Dabei zeigte sich im Fall der ghanaischen Migranten vor allem, dass die grenzüberschreitende Statusproduktionsweise ein grundlegend ambivalentes Verhältnis zu den nationalen Grenzen hat, auf die sie in der Überschreitung bezogen bleibt.