Bastian, der Begründer der deutschen Ethnologie, fasste die Ethnologie als naturwissenschaftliche Psychologie auf, aber mit dieser Bezeichnung wollte er vor allem auf die Notwendigkeit eines interdisziplinären Zugangs hinweisen. Er sah die Kognition als evolutionären Vorgang und Ergebnis einer zunehmenden Rationalisierung. So entstand eine Metatheorie der kulturellen Entwicklung, wobei sein Erklärungsansatz sowohl die universellen allgemeinmenschlichen Rationalisierungen, die er „Elementargedanken” nannte, wie auch die Überlagerungen von diesen ersten „Gedankenketten” und „-assoziationen” im historischen Prozess umfasste. Bastian vertrat nicht nur ein „naturalistisches Modell” als Erklärungsansatz, sondern er bemühte sich auch darum, die Grundlagen für die konstruktivistischen, sprachlogischen Ansätze auszumachen.
Aus der frühen Forderung von Bastian ergibt sich eine Reihe von methodischen und theoretischen Fragen, die für den Beitrag der Ethnologie zur interdisziplinären Reflexion über universelle Kategorien und Strukturen bestimmend sind. Dieser Ansatz wurde lang übersehen und erst heute zeigt sich ein Gesinnungswandel innerhalb der deutschen Ethnologie, der sicherlich zu begrüßen ist. Denn eine intensivere Beschäftigung mit den theoretischen Voraussetzungen der kognitiven Ethnologie oder Anthropologie - unter Einbeziehung philosophischer und erkenntnistheoretischer Ansätze - erscheint mehr denn je notwendig.