Wie kein anderer Forschungsgegenstand erfreut sich das Thema “Gedächtnis” der interdisziplinären Diskussion und Forschung. In meiner Examensarbeit “Gedächtnis und Erinnerungen: Eine Studie am ‚Museum and Art Gallery of the Northern Territory’ Darwin, Australien” beleuchtete ich selbst das Thema aus psychologischer und kulturwissenschaftlicher Sicht.
Dabei stieß ich auf ein Streitgespräch in der Zeitschrift “Erwägen, Wissen, Ethik” (13, 2). Hier stellt Aleida Assmann (2002) das “Kulturelle Gedächtnis” zur Debatte und erntet Kritik. Vor allem Erdfelder (2002) weist darauf hin, dass Assmanns das individuelle Gedächtnis gleichsetzen mit dem, was Psychologen unter dem episodischen Speicher des individuellen Langzeitgedächtnisses verstehen.
Auf diese Kritik möchte ich in meinem Vortrag eingehen und sie um einen ethnologischen Denkanstoß erweitern. Vernetzt man Gells letztes Buch “Art and Agency” (1998) mit dem Konzept des “Kulturellen Gedächtnisses” der Assmanns wird deutlich, dass es sich im Falle des “Kulturellen Gedächtnisses” um ein passives Gedächtnis handelt, das den Akteur zur Wiederbelebung des gespeicherten Wissens braucht. Insofern lautet meine provokative Frage: Gibt es überhaupt ein kulturelles Gedächtnis oder handelt es sich nicht vielmehr um kulturelles Wissen eines inidviduellen Gedächtnisses? Letztendlich möchte ich in einen Meinungsaustausch überleiten zum Thema: Wie erreicht man echte Interdisziplinarität in der Kognitiven Ethnologie? Wie sehr müssen wir dazu das Fachwissen anderer Disziplinen beherrschen?