Die Kognitionsethnologie ist in mehrfacher Weise polarisiert. Erstens spannt sie den Bogen zwischen kulturspezifischer Kognition und regionalspezifischen „Modes of Thought“ und universalmenschlichen Mustern des Denkens. Zum zweiten sind kognitionsethnologische Studien zu „lokaler Kognition“ zumeist stark forschungsorientiert, während die Studien zu „lokalem Wissen“ fast sämtlich im Feld der Entwicklungszusammenarbeit angesiedelt und damit anwendungsorientiert sind. Drittens steht die Methodenentwicklung, die auf der Erfassung lokalspezifischer Kognition aus emischer Perspektive ausgerichtet ist, Theorieansätzen gegenüber, die universalistischer Art sind. Diese Polaritäten führen zu Forschungslücken, die Anschlussfähigkeit der Kognitionsethnologie zu anderen Forschungsfeldern behindern. Theorien und Methoden, die lokale Kognition systematisch erfassbar und damit kulturvergleichend analysierbar machen, sind Mangelware. Intrakulturelle Vielfalt bleibt tendenziell unterbelichtet, wie auch kulturübergreifende Gemeinsamkeiten ausgeblendet werden.
Der Vortrag führt neuere Studien zu lokalem Wissen (indigenous knowledge) und politikethnologische Ansätze zur Dynamik von Wissen in Entwicklungsprozessen (Scott, Worsley u.a.) zusammen mit Theorien zu menschlichen Universalien. Er wirft die Frage auf, ob lokales Wissen neben den namengebenden lokalkulturell bedingten Besonderheiten auch allgemeine Merkmale aufweist. Dies mündet in ein Modell von lokalem Wissen als in allen Kulturen zu findender. Dies wird anhand von Beispielen aus Südostasien konkretisiert.