DGV Tagung 2007

Annelie Rothe: Tonganische und deutsche Emotionsbegriffe – ihre Gruppierungen, Bewertungen und Dimensionen

In unserem täglichen Leben und besonders in Beziehungen zu anderen sind Emotionen von zentraler Bedeutung. Sie beeinflussen das Zusammenleben, den Umgang mit Erlebnissen und letztlich auch das eigene Selbstverständnis. In wieweit die Begriffe und Konzepte für einzelne Emotionen und deren Bewertung kulturspezifisch sind, wurde in einem interdisziplinären Forschungsprojekt untersucht. In Tonga und Deutschland wurden die Gruppierungen kulturell wichtiger Emotionsbegriffe, die Dimensionen, auf denen sie zueinander angeordnet werden, und ihre Bewertung erhoben. Tonganer und Deutsche gaben in drei verschiedenen Pile-Sorting-Aufgaben Auskunft über die Ähnlichkeit von Emotionen miteinander, ihre Angenehmheit und ihre Erwünschtheit.

Die Ergebnisse zeigen im interkulturellen Vergleich für viele Emotionstermini ähnliche Strukturierungen und Einschätzungen. So ergaben Clusteranalysen annähernd gleiche Emotionsgruppen und multidimensionale Skalierungen identische Dimensionen für beide Kulturen. Einzelne Emotionen, wie zum Beispiel Reue, Stolz, Mut oder Respekt, unterscheiden sich dagegen klar in ihrer kulturellen Bewertung, die in den verschiedenen sozialen Rahmenbedingungen – wie etwa der strengen tonganischen Rangordnung – begründet sein könnte. Emotionsbegriffe werden also in Tonga und Deutschland auf ähnliche Weise, aber mit kulturspezifischen Besonderheiten, zueinander in Beziehung gesetzt.

Workshop:

13 | Kognitive Ethnologie – quo vadis?

Termin:

Mittwoch, 03.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal XIX