Alexander Loch: Die Erfassung von Identität mittels Feldexperimenten – methodische Grenzerfahrungen am Rande Südostasiens
Das Design der herbeigeführten Situationen war im dritten Feldforschungsjahr auf Osttimor schlicht, doch innovativ: Mittels des Stoneman-Experiments wurde quantitativ zu verifizieren versucht, was sich zuvor bereits qualitativ in biographischen Interviews mit den Bewohnern der Insel abgezeichnet hatte, nämlich vor allem eine durch drei Dimensionen (Katholizismus, Tradition & Moderne) determinierte Identitätsstruktur. Angesichts einer Analphabetenrate von 50,1% und etlichen funktionalen Äquivalenzproblemen waren Paper & Pencil Erhebungen zur Frage “Wer bin ich?” (als Operationalisierung von Identität) obsolet. Stattdessen wurden 100 Kieselsteine analog der Farbsymbolik der Nationalflagge Osttimors rot, gelb und schwarz eingefärbt und 283 Bauern, Fischer, LehrerInnen gebeten, aus diesen Steinen jeweils Selbstrepräsentanzen zu bilden (wobei den Farbcodes lokalspezifische Bedeutungen zugeschrieben wurden). Die Auswertung zeigte dann nicht nur, ob man im Herzen (noch) traditionell ist oder Religion primär im Kopf repräsentiert wird, sondern auch, welche gesellschaftlichen Gruppen sich besonders mit der alten Kolonialmacht Portugal, den ehemaligen indonesischen Besatzern oder den zunehmend präsenteren Australiern identifizierten. Doch geriet diese kognitive Methode der Externalisierung innerer Konstrukte alsbald an ihre Grenze, als die Bedeutung des Wortes “Bedeutung” in der Instruktion aus der Landessprache Tetum rückübersetzt wurde …