DGV Tagung 2007

Hilke Thode-Arora: Niuer in Neuseeland und Niue: eine transnationale Gemeinschaft und die Rolle des Flechtens für die ethnische Identität

Die kleine zentralpolynesische Insel Niue bietet aufgrund ihrer kargen Umwelt und des beschränkten Arbeitsmarktes nur begrenzte Möglichkeiten für eine Lebensgrundlage ihrer Bewohner. Folglich führte immer stärkere Abwanderung dazu, dass heute ca. 90 % aller 20.000 Personen, die sich zu ethnischen Einheit der Niuer zählen, nicht mehr auf der Insel leben, sondern meist in Neuseeland. Die Mehrzahl von ihnen wohnt in Großstädten, überwiegend in Auckland.

Damit handelt es sich bei den Niuern um eine ethnische Einheit, die de facto zu 90 % in der Diaspora und zugleich in einem urbanen Umfeld lebt. Im polyethnischen Gefüge Aucklands mit seinem hohen Prozentsatz von Einwanderern aus allen Teilen Polynesiens, aus Europa und Asien sowie der alt eingesessenen Maori- und euroneuseeländischen Bevölkerung muss(te) die ethnische Selbst- und Fremdzuschreibung der Niuer neu verhandelt werden. Trotz zahlreicher Kontakte und Besuche in und aus Niue sind „klassische” ethnische Markierungen wie gemeinsame Sprache oder Denomination aus bestimmten Gründen nur bedingt aktivierbar.

Meine vom Ethnologischen Museum Berlin initiierte und DFG-geförderte Feldforschung in Auckland und Niue (2002 - 2004) galt der Untersuchung der identitätserhaltenden und -stiftenden Rolle, die das Flechten in dieser Situation spielt. Anhand von teilnehmender Langzeitbeobachtung in Aucklander Flechtgruppen und niueanischen Dörfern sowie biographischer Tiefeninterviews mit Flechterinnen konnten Daten zu in Auckland und Niue aktivierten ethnischen Markierungen erhoben und die Relevanz des Flechtens als strategisch einsetzbares Medium erhoben werden.

Das Projekt ist abgeschlossen und die Publikation in Vorbereitung.

Workshop:

12 | Zur Ozeanistik im deutschsprachigen Raum heute: Versuch einer ersten Bestandsaufnahme

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal A