DGV Tagung 2007

Eveline Dürr: Partnerschaft und Autorität in translokalen Forschungen zwischen Neuseeland und Mexiko.

Im Mittelpunkt dieses Forschungsprojekts stehen Maori- Schüler und Schülerinnen, die sich im Rahmen von Austauschprogrammen über einen längeren Zeitraum in Mexiko aufhalten und in mexikanischen Familien der oberen Mittelschicht untergebracht sind. Dabei handelt es sich um Kulturkontakte von überaus ungleichen Gruppen. Verschärft wird dieser Gegensatz durch die unterschiedliche gesellschaftliche Stellung der indigenen Bevölkerung in Neuseeland und in Mexiko. Dieses Forschungsprojekt geht der Frage nach, wie in diesem Kontext ‚Kultur’ konstruiert wird und wie diese Konstruktionen auf die jeweiligen kulturellen Identitäten zurückwirken.

Wie alle Projekte, die unter neuseeländischer Schirmherrschaft durchgeführt werden, muss auch dieses Vorhaben von einer Ethikkommission genehmigt werden. ‚Partnerschaftlichkeit’ und ‚Nutzen der Forschung für die beteiligten Gruppen’ sowie die Umsetzung der Richtlinien des ‚Vertrags von Waitangi’ sind zentrale Bestandteile des aufwendigen Antragsverfahrens. Es gilt nachzuweisen, in welcher Form die betreffenden Gruppen an der Konzeption des Forschungsvorhabens beteiligt waren, welchen Einfluss sie darauf ausübten bzw. wie ihre Vorstellungen dazu umgesetzt wurden. Diese Anforderungen sind aus dem neuseeländischen Kontext heraus erklärbar und begründbar, problematisch ist jedoch, ihren Geltungsanspruch auf alle Regionen und Forschungsvorhaben auszuweiten. Dies führt zu grundsätzlichen ethischen Diskussionen über Partnerschaftlichkeit, Autorität in der Feldforschung sowie über Konzeption und Legitimierung von ethnologischen Forschungsprojekten.

Workshop:

12 | Zur Ozeanistik im deutschsprachigen Raum heute: Versuch einer ersten Bestandsaufnahme

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal A