DGV Tagung 2007

Elfriede Hermann: Konstituierungen von Selbst und Ethnie im Postmigrationskontext: Positionierungen der Fiji-Banabans

In der Folge von Migration stellen sich Fragen nach personalen und kollektiven ethnischen Identitäten in neuen Kontexten. Die Konstituierungen und Repräsentationen dieser Identitäten in den Staaten der Herkunft und der neuen Heimat fasse ich theoretisch in Termini von vielfachen Positionierungen durch Andere sowie das personale oder kollektive Selbst. Entscheidend für die Analyse der Selbst-Positionierungen ist es meines Erachtens, auf die spezifische Logik des Verhältnisses von Identifikationen und Differenzierungen zu achten, die in einer kulturellen Gemeinschaft vorherrscht. Anhand einer Fallstudie der Banaban Gesellschaft zeige ich, welche Bedeutung dieser Logik für Selbst-Positionierungen zukommt. Die Banaban Gesellschaft stammt von der im zentralen Ozeanien (”Mikronesien”) gelegenen Insel Banaba und wurde wegen des dort vorangetriebenen Phosphatabbaus nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von der britischen Kolonialmacht nach Fiji umgesiedelt. Seither konstituieren sich die Banabans als einzelne Personen sowie als Ethnie vor allem in Relation zu ethnischen Gruppen in zwei Nationalstaaten: in Relation zu den Inselgemeinschaften von Kiribati, dem Staat, dem ihre Herkunftsinsel Banaba gegen ihren Willen zugeschlagen wurde; und in Relation zu den vielen ethnischen Gruppen im multikulturellen Fiji. In den jeweils gegebenen Kontexten nehmen sie je spezifische Positionen ein und folgen dabei ihrer kulturellen Logik von Gleichheit und Verschiedenheit.

Workshop:

12 | Zur Ozeanistik im deutschsprachigen Raum heute: Versuch einer ersten Bestandsaufnahme

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal A