DGV Tagung 2007

Andrea Bender: Ärgerentstehung und sozialer Rang in Tonga

Den appraisal-Theorien der Emotionsentstehung zufolge führen ähnliche Bewertungen eines Ereignisses kulturübergreifend zu ähnlichen Emotionen; wie das Ereignis aber bewertet wird, hängt von kulturell definierten Konzepten, Erfahrungen und Werten ab. Ausgehend von diesem Ansatz wurden in unserem interdisziplinären Projekt die Entstehungsbedingungen negativer Emotionen wie Ärger oder Scham in Tonga und Deutschland untersucht. Wie in den meisten polynesischen Kulturen ist auch in Tonga der Ausdruck von Emotionen sanktioniert, die den sozialen Frieden stören - allen voran Ärger. Deshalb zeigen die Einwohner der “Freundlichen Inseln” ihren Ärger insgesamt seltener als die Menschen hierzulande. Beschränken sich die Unterschiede aber nur auf den Ausdruck der Emotion, oder kann man sie auch in der Entste­hung beobachten? Und wenn Ärger in Tonga tatsächlicher seltener ausgelöst wird als in Deutschland - welche Faktoren können dafür verantwortlich gemacht werden? Unsere Daten zeigen einen deutlichen Einfluß sozialer Beziehungen und damit auch von Rang- und Statusun­terschieden auf Emotionen in Tonga. Dieser Einfluß kann zurückgeführt werden auf die soziale Stratifikation der tonganischen Gesellschaft, die bis in die Kernfamilie reicht, und auf die da­mit verknüpften Werte und Normen. In der Konsequenz werden viele potentiell ärgerauslösen­den Situationen auch als weniger ärgerlich eingestuft.

Workshop:

12 | Zur Ozeanistik im deutschsprachigen Raum heute: Versuch einer ersten Bestandsaufnahme

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal A