DGV Tagung 2007

Hauke Dorsch: Anmerkungen zur Methodik der Performanzanalyse am Beispiel westafrikanischer Popkonzerte und Aufführungen von Griots

In diesem Paper soll der Nutzen eines theoretischen Austauschs zwischen theaterwissenschaftlichen und ethnologischen Ansätzen zu Ritual und Performanz am Beispiel der Aufführungen von Griots (professionellen Musikern, Erzählern, Vermittlern, Genealogen usw.) und anderen westafrikanischen Musikern in der Diaspora reflektiert werden. Als Grundlage für diese Reflexionen dienen die Ergebnisse aus vergleichenden Untersuchungen von verschiedenen Performanzen (Konzerten, Auftritten auf Feiern, Alltagsperformanzen usw.) in den USA, Deutschland, Gambia und dem Senegal. Hierbei erwiesen sich Performanzanalysen mit theaterwissenschaftlichen Konzepten als sinnvoll. Sie werden hier vorgestellt und es wird erläutert, wie sie die Wahrnehmung andernfalls möglicherweise übersehener Aspekte, etwa des symbolischen Einsatzes von Musikinstrumenten, erleichterten. Darüber hinaus vermittelten diese Analysen Hinweise auf die Inszenierungsstrategien der Künstler und die Rezeption durch das Publikum. Auch das jeweilige Performanzgenre wurde hinsichtlich seines kulturellen Kontextes oder möglicher Hybridisierungen untersucht. Besonders am Beispiel der Aufführungen von Griots und ihrer Bezugnahme auf präkoloniale Werte können aber auch die Grenzen theaterwissenschaftlicher Ansätze aufgrund ihrer kulturspezifischen Perspektive aufgezeigt werden. Erleichterte das theaterwissenschaftliche methodische Instrumentarium die Systematisierung der Beobachtungen, bedurfte es doch auch der ethnologische Perspektive und ihrem Interesse an emischen Konzepten und dem kulturellen Kontext um tiefer gehende Interpretationen zu ermöglichen.

Workshop:

10 | Aufführungen als Gegenstand ethnologischer Forschung

Termin:

Mittwoch, 03.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal VXII