DGV Tagung 2007

Beatrix Hauser: Kunst oder Kultur? Zum heuristischen Stellenwert ästhetischer Erfahrung in der ethnologischen Begegnung

Dieser Beitrag handelt von den Möglichkeiten, Grenzen und Widersprüchen bei der ethnologischen Untersuchung von „hybriden” Inszenierungen zunehmend „globaler” Künstler und ihrem medienerprobten Publikum. Es werden drei Aufführungsformen aus der indischen Metropole Delhi verglichen, die aufgrund ihrer Gestalt und kulturellen Einbindung die Frage aufwerfen, worin nun der „ethnologische Blick” auf sie besteht und in welcher Hinsicht er sich von den Rezeptionsweisen des Publikums unterscheidet. Ausgewählt wurden dabei 1. eine professionell gestaltete Großveranstaltung des religiösen Ramlila-Spiels, die täglich bis zu 20.000 Zuschauer anzieht; 2. eine dezidiert künstlerische Inszenierung des Ramayana durch das Ensemble des Shriram Bharatiya Kala Kendra, sowie 3. eine als „Rock Opera” charakterisierte Tanzperformance und Multimedia-Show der Künstlerin Maya Krishna Rao. Es soll gezeigt werden, wie diese Aufführungen und ihre Kontexte verschiedene Diskurse bedienen, wo sich jene überschneiden bzw. wann und in welcher Hinsicht sie konkurrieren. Ich argumentiere, dass die ethnologische Untersuchung von zeitgenössischen künstlerischen Aufführungsformen sowie den Bedingungen ihrer Produktion und Rezeption Zugang zu „modernen” Lebensentwürfen und Welten in der indischen Gesellschaft ermöglicht. Abgesehen davon geht es mir am Beispiel dieser Aufführungen darum, die Prämissen und Methoden ethnologischer Forschung in der Auseinandersetzung mit Cultural Performances zu reflektieren und dazu einige Thesen zur Diskussion zu stellen.

Workshop:

10 | Aufführungen als Gegenstand ethnologischer Forschung

Termin:

Mittwoch, 03.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal VXII