DGV Tagung 2007

Elka Tschernokoshewa: Die Hybridität von Minderheiten. Vom Störfaktor zur Grundfigur

In der Zeit der nationalen Moderne mit ihren Homogenitätsprämissen haben Minderheiten das Trauma der Differenz verkörpert. Ihre distinktive Kultur werde als Abweichung von der Norm gesehen und jenseits der Kultur der Mehrheit, somit auch der Gemeinschaft situiert: diskursiv, politisch, strukturell. Die Entstehung und Entwicklung der Wissenschaftsdisziplinen, Volks- und Völkerkunde bzw. Ethnologie sind eng mit diesem Prozess verbunden. Heute, in der Zeit der globalen Moderne, sind die Vorstellungen von einer homogenen Kultur nicht mehr haltbar. Gerade Forschungen bei Minderheiten geben Möglichkeit die alten Vorstellungen von Homogenität in Frage zu stellen und neue Visionen für das Gemeinschaftsleben zu benennen. Doch dies kann nicht ohne eine paradigmatische Veränderung der ethnologischen Wissenschaften geschehen. Als Provokation kann hier eine neue Forschungsdisziplin „Hybridologie” angeboten werden.

Der Vortrag hat theoretischen Charakter, basiert aber auf langjährige empirische Forschungen u. a. bei der sorbischen Minderheit in Deutschland.

Workshop:

09 | Minderheiten und ihre Bedeutung für die Ethnologie Europas

Termin:

Mittwoch, 03.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal B