DGV Tagung 2007

Swenja Poll: Gemischte Gefühle: Verwandtschaft, Abhängigkeit und Macht in Botswana

Verwandtschaftliche Bande wurden oftmals zu einseitig als soziales Sicherheitsnetz interpretiert. In meinem Vortrag konzentriere ich mich demgegenüber auf die Ambivalenz durch die sich die Beziehung zu Verwandten in Botswana auszeichnet. Ausgehend von den Überlegungen von Janet Carsten, Peter Geschiere und Unni Wikan zur dunklen Seite der Verwandtschaft spüre ich kulturspezifischen Formen der persönlichen Unterwerfung, der empfundenen gegenseitigen Abhänigkeit und des Neides nach. Meine Gesprächspartner schilderten mir ihr Verhältnis zu ihren Verwandten meist als spannungsgeladen und als von gegenseitigem Mißtrauen geprägt. Gleichzeitig betonten sie die Bedeutung des Zusammenhalts und der Harmonie innerhalb der Familie. Lokale Konzeptionen über die Macht der Gefühle und das Wirken der Ahnen lassen die Familie als Schicksalsgemeinschaft erscheinen. Ihr Wohlergehen hängt vom Handeln jedes einzelnen Familienmitglieds ab. So trifft beispielsweise die Rache der Ahnen für Vergehen gegen ihren Willen nicht nur den Missetäter selbst, sondern sie kann sich auf dessen gesamte Verwandtschaft erstrecken. Innerfamiliäre Abhängigkeits- und Autoritätsbeziehungen werden durch Maßnahmen zum Schutz vor Zauberei verdeutlicht und verstärkt. Überlieferte Glaubensvorstellungen betonen die Bedeutung und die spirituelle Kraft der Männer als Oberhäupter der Familien und der Verwandtschaftsgruppen. Gleichzeitig wachsen gegenwärtig die meisten Kinder in Botswana ohne männlichen Haushaltsvorstand auf - eine Entwicklung, die sich auch in konkurrierenden Konzeptionen zur Verursachung von Leid und zur Erzeugung von Einfluss wiederspiegelt.

Workshop:

06 | Verwandtschaft Heute

Termin:

Dienstag, 02.10.2007 und Mittwoch, 03.10.2007, jeweils 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal XX