Ausgehend von Arbeiten über Adoptionen und Pflegschaften in Ozeanien und Westafrika sowie über internationale Adoptionen möchte ich in diesem Vortrag mein Dissertationsvorhaben über transnationale, informelle Beziehungsnetzwerke zwischen Ghana und Deutschland vorstellen.
Wie bereits in vielen Arbeiten gezeigt wurde, kommen Kinderpflegschaften in Ghana innerhalb des verwandtschaftlichen Umfeldes sehr häufig vor. Es stellt sich die Frage, welche Rolle das ghanaische Verwandtschaftskonzept im deutschen gesellschaftlichen Kontext spielt, in dem biologische Verwandtschaftsbeziehungen stark betont werden, und in dem Adoptionen und Pflegschaften eher als Randerscheinung oder Notlösung betrachtet werden.
Geplant ist eine empirische Arbeit, mit der nicht nur formal-ideologische Verwandtschaftskonzepte wie z.B. Ideen und Vorstellungen zu Kindschaft und Verwandtschaft bei ghanaischen Migranten erfasst werden, sondern auch konkrete Praktiken wie Pflegschaftsbeziehungen oder Kindertausch zwischen Migranten, Remigranten und in Ghana lebenden Menschen untersucht werden sollen.
Eine These lautet, dass über ein informelles Verwandtschaftsnetzwerk Zugehörigkeit (belonging) und relatedness über Ländergrenzen hinweg konstruiert wird, das parallel zum (internationalen) Adoptions- und Pflegschaftssystem existiert.
Obwohl auf informeller Ebene bestehend, berührt ein solches verwandtschaftliches Netzwerk nicht nur Fragen von kultureller Identität und Zugehörigkeitsgefühl von Migranten, sondern in hohem Maße auch rechtliche Aspekte, die im Zusammenhang mit der Aufenthaltsgenehmigung von Verwandten aus Ghana in Deutschland stehen.