Dem individuellen Gestaltungsspielraum wird in den verschiedenen verwandtschaftstheoretischen Ansätzen sehr unterschiedliche Bedeutung beigemessen. Sowohl die Allianz- wie auch die Deszendenztheorie, aber auch symbolische Ansätze thematisieren die Agency einzelner Akteure kaum. Sie stellen stattdessen strukturelle Analysen in den Vordergrund. Die neue Verwandtschaftsethnologie fokussiert hingegen stärker auf individuelle Handlungsfreiheiten und hebt die kreativen Aspekte im Umgang mit Verwandtschaft hervor. Strukturelle Dimensionen werden in diesen Arbeiten jedoch wenig berücksichtigt.
In diesem Beitrag werden wir die wichtigsten Strömungen der Verwandtschaftstheorie vor dem Hintergrund des Dualismus von Struktur und Agency diskutieren. Wir werden versuchen aufzuzeigen, wie man diesen Dualismus überwinden kann, indem man das Konzept der Embedded Agency einführt. Im abschließenden Teil des Vortrages sollen diese theoretischen Überlegungen auf ethnographische Fallbeispiele übertragen werden.