Joachim Görlich: Verwandtschaft und Land als ein relationales Feld bei den Kobon, Papua-Neuguinea
Während die genealogische Verwandtschaftstheorie annimmt, dass Verwandtschaft auf der natürlichen Reproduktion basiert und verwandtschaftliche Positionen durch die Geburt definiert werden, geht die prozessorientierte Verwandtschaftstheorie davon aus, dass verwandtschaftliche Beziehungen durch ein performatives Werden und nicht durch einen fait accompli charakterisiert sind. Die Kon-Substanzialität von Verwandten wird nicht länger als eine Bedingung betrachtet, die notwendigerweise durch Geburt determiniert ist, sondern als eine Beziehung, die kontinuierlich durch soziale Aktivitäten wie den Umgang mit Land produziert wird. Im Vortrag soll gezeigt werden, wie bei den Kobon im nördlichen Hochland von Papua-Neuguinea über den Umgang mit Land, d.h. insbesondere über die Sozialisierung der Landschaft, verwandtschaftliche Beziehungen hergestellt werden. Bei den Kobon wird Land weniger als etwas betrachtet, dass die Menschen besitzen, sondern Land wird als etwas erfahren, dass die Menschen „besitzt”. Auf der Grundlage dieser interaktiven Beziehung zum Land sollen die verwandtschaftlichen Beziehungen der Kobon analysiert werden.