Die Debatten zur Erklärung der hohen Rate an Pflegschaftsbeziehungen in Westafrika wurden bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts auf der einen Seite durch (britische) strukturfunktionalistische und auf der anderen Seite durch (französische) strukturalistische Ansätze geprägt. Beide nahmen einander - aufgrund von Sprachbarrieren und national geprägten Rezeptionsgewohnheiten - kaum zur Kenntnis.
Danach erst erschienen vereinzelte handlungsorientierte Arbeiten, die die Frage, warum so viele Kinder in Westafrika nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen, auch aus der Perspektive der daran beteiligten Eltern, Pflegeeltern und Kinder zu beantworten suchten.
Die Frage der Strukturen, die einst im Vordergrund gestanden hatte, rückte dabei in den Hintergrund.
Mein Beitrag geht zunächst einen Schritt zurück und stellt die „alten” strukturfunktionalistischen und strukturalistischen Ansätze vor. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden herausgestellt und es soll gezeigt werden, welche Erkenntnisse aus diesen Ansätzen trotz eines Handlungsansatzes nicht verloren gehen sollten. Sodann stelle ich einen eigenen Ansatz vor, der die Erkenntnisse der neueren Arbeiten aufgreift. Soziale Elternschaft wird schließlich als Möglichkeit einer pluralen Zugehörigkeit interpretiert, die rechtliche wie emotionale Aspekte umfasst.