DGV Tagung 2007

Bettina Beer: Transkulturelle Familien aus Sicht der Verwandtschaftsethnologie: Zwischen formalen Beziehungen und relatedness

Der Vortrag ist Anlass, ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben zu skizzieren, das sich in meiner Arbeit der letzten fünfzehn Jahren herauskristallisiert hat. Ich werde mich dabei nicht nur auf eigene empirische Arbeiten stützen. Einbeziehen werde ich auch Abschlussarbeiten von Studierenden und den Bogen spannen von frühen eigenen Forschungen mit deutsch-philippinischen Ehepaaren in Hamburg und einer ethnischen Minderheit auf den Philippinen, über Jugendliche russlanddeutsche Spätaussiedler in Lahr, bis zu Kindergärten im Rhein-Neckar-Gebiet. An diesen vier Beispielen werde ich zeigen, dass Ideologie und Praxis verwandtschaftlicher Beziehungen einen wesentlichen, bislang vernachlässigten Beitrag zum Verständnis kultureller Differenz, Identität und sozialer Integration leisten. Kritisch diskutieren werde ich, inwieweit Ansätze der new kinship studies, die „relatedness” und „belonging” in den Mittelpunkt stellen, einen Beitrag zum Verständnis transkultureller Verwandtschaft leisten. These ist, dass auch sie nicht ohne die klassischen, in neuerer Zeit als zu „formal” kritisierten Ansätze auskommen.

Transkulturelle Familien werden in dem geplanten Forschungsprojekt weniger, wie bisher üblich, aus Sicht ehelicher Beziehungen, sondern aus der Perspektive von deren Nachkommen analysiert. Diese wachsen gleichzeitig in verschiedenen Verwandtschaftssystemen und mit unterschiedlichen Vorstellungen von Verwandtschaft auf. Das erlaubt auch individuelle Entscheidungen, etwa zu welcher Seite und zu welchen Personen Beziehungen intensiviert und relatedness betont wird. Dies wiederum kann Konsequenzen für die Anwendung von Recht, für Erbe, Landrechte, Gruppenzugehörigkeit und für die Veränderungen der Rechtssysteme haben.

Workshop:

06 | Verwandtschaft Heute

Termin:

Dienstag, 02.10.2007 und Mittwoch, 03.10.2007, jeweils 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal XX