DGV Tagung 2007

Karin Klenke: Geschlecht – und sonst noch etwas?

Zu Beginn der ethnologischen Geschlechterforschung traten Frauen in den Fokus der Aufmerksamkeit. Mit der Entwicklung des sex-gender-Modells und einem relationalen Verständnis von Geschlecht wurde auch Männlichkeit zu einem - zumindest theoretisch - interessanten Phänomen. In den letzten Jahren hat die gender-Forschung den Faktor Geschlecht zunehmend kontextualisiert. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt die Kritik Schwarzer Feministinnen an den „farbenblinden” theoretischen Entwürfen weißer Forscherinnen. Das Verständnis von Geschlecht als einem von vielfältigen weiteren Aspekten reflektierten und gebrochenen Merkmals von Identität und sozialer Strukturierung hat sich jedoch über den Aspekt Ethnizität hinaus entwickelt. Die Einbeziehung von Religion, Schicht/Klasse, Alter, Sexualität, Migration, Nationalität etc. in die Analyse von Geschlechterverhältnissen hat das Verständnis von gender produktiv erweitert und die Komplexität von Geschlechterverhältnissen und Geschlechtsidentitäten erhellt. In dieser Sitzung sollen die Konsequenzen dieser Entwicklung für die ethnologische Geschlechterforschung diskutiert werden. Ist Geschlecht eine unter allen Umständen relevante Kategorie? Droht der wissenschaftliche Fokus auf Geschlecht Strukturen zu (re)produzieren, die vielleicht entlang anderer Faktoren viel sinnvoller analysiert und verstanden werden können? Oder droht die immer differenziertere Darstellung multirelationaler Identitätsentwürfe und -praxen die fundamentale Bedeutung von Geschlecht zu verwischen?

Angesprochen sind WissenschaftlerInnen, die anhand eigener empirischer Arbeiten die Bedeutung von Geschlecht als Analysekategorie für die eigene Forschung vor dem Hintergrund der oben skizzierten Fragen kritisch reflektieren.

Workshop:

04 | Ethnologische Geschlechterforschung: Marginalisierung und Relevanz in- und außerhalb der Disziplin

Termin:

Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort:

Melanchthonianum, Hörsaal XVI