Die Begriffe „Fruchtbarkeit”, „Nachkommenschaft” oder „Fortpflanzung” erscheinen heute merkwürdig unzeitgemäß, ja altertümlich. Sie lösen Unbehagen aus, da unsere gesellschaftlich akzeptierte Perspektive auf Lebensprozesse unter dem Diktat der Kontrolle unterworfen ist.
Paradox dazu verhält sich die „Krise der Reproduktion” hierzulande. Die Krise wird allerdings begrenzt wahrgenommen und öffentlich lediglich in Bezug auf ihre praktischen Auswirkungen diskutiert, wie z.B.: fehlende Krippenplätze, Versorgungsengpässe der Rentensicherung oder des Pflegenotstands. Selten wahrnehmbar sind archaische Ängste vor existentieller Stagnation, wie sie in traditionellen ethnographischen Berichten zu finden sind.
In den letzten Jahren haben technologische Möglichkeiten der Biomedizin zu einem grundlegenden anthropologischen Wandel geführt. Auch in der Tier- und Pflanzenzucht wird kaum mehr etwas dem Zufall oder „der Natur” überlassen.
Das Projekt, von dem hier berichtet wird - ein Symposions in der Schweisfurth-Stiftung, München (3.-5. Mai 2007) - versuchte bislang disparat geführte Debatten zu vereinen und aktuelle Beispiele aus Medizin, Zoologie, Botanik und Ökologie gemeinsam mit symbolischen Perspektiven aus der Ethnologie, Kulturanthropologie, Psychologie, Theologie und anderen zu diskutieren.
In meinem Vortrag möchte ich Idee, Verlauf und Ergebnis des Symposions vorstellen und versuchen, die spezifisch ethnologische Perspektive darzulegen, die das Projekt initiierte.