Feministische/gendersensible Ansätze stellen in der Soziologie in Teilbereichen immer noch eine Seltenheit dar, in anderen Bereichen scheinen sie im Mainstream angekommen, bzw. ist die Frauen- und Geschlechterforschung als eigenständige Institution recht gut etabliert. Zugleich entsteht jedoch der Eindruck, dass zwar mittlerweile in vielen Sammelbänden, Einführungswerken etc. ein „Quoten-Gender-Aufsatz” vertreten ist, zugleich jedoch das kritische Potenzial und der politische Anspruch feministischer Theoriebildung und Forschung gerade durch diese Aufnahme in den Mainstream versickert. Der Beitrag stellt daher zunächst die Frage, ob die im Call aufgeworfenen Fragen nur die ethnologische Geschlechterforschung betreffen, oder ob sie nicht letztlich ein strukturelles Problem der Geschlechterforschung insgesamt ansprechen, mit dem sich die verschiedenen Disziplinen immer wieder auseinander zu setzen haben. Dazu ließe sich die etwas ketzerische Frage stellen, ob die Marginalisierung feministischer Macht- und Herrschaftskritik nicht gerade das ist, was ihr produktives Potenzial ausmacht - ist die Integration in herrschende Diskurse doch immer auch mit Machtverlusten und „Erblindungseffekten” verbunden. In einem zweiten Schritt wird dann - mit dem Blick der „Fremden” versucht, die Bedeutung und Problematik ethnologischer Geschlechterforschung in der Soziologie aufzuzeigen, um daran anschließend die disziplinären Grenzen genauer zu ziehen und zugleich für den Dialog zu öffnen.