In den 62 Jahren seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben die Deutschen ihre Beziehung zur internationalen Community sowie zur eigenen Vergangenheit neu regeln müssen. Das Gleiche kann man von der deutschen Ethnologie sagen. Der Vortrag ist nur einem Aspekt dieses komplexen Prozesses gewidmet: Wie haben deutsche Autoren die Geschichte der Ethnologie seit 1945 dargestellt, und was bedeuten diese Darstellungen für das Selbstverständnis der Ethnologen und für die Weiterentwicklung ihres Faches? Es wird angestrebt, alle Gesamtdarstellungen sowie eine repräsentative Auswahl von Studien zu speziellen Aspekten der Fachgeschichte zu berücksichtigen. Dabei sollte die Weite und Breite von Deutungsschemata erfasst und möglichst auch zu anderen Variablen in Beziehung gesetzt werden. Von besonderem Interesse sind die Antworten auf folgende Fragen: Wie wird die Geschichte der deutschen Ethnologie in eine umfassende, international angelegte Geschichte der Ethnologie eingebettet? Inwieweit wird es als selbstverständlich, unvermeidlich oder wünschenswert empfunden, auch nach dem Krieg nationale bzw. lokale Traditionen aufzugreifen und weiterzuführen? Welche Versuche gab es bzw. gibt es, sich bewusst an internationalen wissenschaftlichen Trends bzw. an Normen anderer nationalen Schulen zu orientieren? Die Fokusierung auf die Gattung “Geschichte der Ethnologie” wird durch den Rückgriff auf Lebenserinnerungen deutscher und ausländischer Ethnologen sowie durch informelle “oral history”-Interviews mit deutschen Kollegen ergänzt.