Ethnologie definiert sich nicht über den Begriff der „Kultur”, den sie mit vielen Nachbarwissenschaften teilt, sondern über einen besonderen methodischen Zugang zum Sozialen: die mikroskopische Untersuchung von gesellschaftlichen Prozessen auf unterschiedlichen Ebenen der Weltgesellschaft. Diese Prozesse spielen sich immer in konkreten lokalen settings ab, auf die diese Prozesse einwirken, von denen sie aber auch moduliert werden, und die ein privilegiertes Objekt ethnologischer Forschung darstellen. Dies wirft allerdings das Problem der Repräsentativität auf, das die ethnographische Einzelfallanalyse nicht statistisch-quantitativ behandeln kann, sondern wofür sie andere methodische und analytische Lösungen finden muss. Eine methodische Lösung des Repräsentativitätsproblems liegt in der interdisziplinären Zusammenarbeit, eine andere in vergleichender, arbeitsteiliger Forschung. Diese Arbeitsteilung kann dazu beitragen, zwei überholte Traditionen des Faches zu überwinden: die des Ethnologen als heroischen Einzelforschers, vor allem aber die des Ethnologen als des weißen Mannes (heute auch der weißen Frau) als Sprecher und Übersetzer eines exotischen „Anderen”. Eine moderne Ethnologie muss heute eng mit den Sozialwissenschaftlern der Länder zusammenarbeiten, in denen sie forscht.
Plenarveranstaltung:
I | Perspektiven der Ethnologie
Termin:
Dienstag, 02.10.2007, 09:00 - 11:00 Uhr
Ort:
Audimax (Gebäude), Auditorium Maximum (Hörsaal)