In den vergangenen 25 Jahren hat die Ethnologie verschiedene „turns” absolviert, wobei der nachhaltigste derjenige war, der mit der Hochzeit der interpretativen Ethnologie Clifford Geertz’ begann und in den linguistic turn mündete. Mich beschäftigt nach wie vor die Frage, warum Kultur auf Text reduzierbar sein soll, für den es im Prinzip beliebig viele Lesearten gibt. Ein „Behagen an virtuellen Realitäten” (Latour 2000) hat sich vielerorts breit gemacht.
Für die interpretative Ethnologie jedenfalls war die Textualisierung von Kultur zentral. Die Frage der Autorität des Interpretierenden und der Repräsentation des Interpretierten wurden hinlänglich diskutiert. Weitgehend ausgeklammert wurden jedoch die Methode an sich, ihre Anwendung, die Rolle von Theorien bei der Hervorbringung des Inhalts von Interpretationen, die disziplinengebundene Rezeption und die öffentlichkeitswirksame Verbreitung derselben. In meinem Vortrag möchte ich mich mit diesen Perspektiven auseinander setzen und erörtern, in wie weit dieser Ethnologie die Wirklichkeit abhanden gekommen ist und warum.
Plenarveranstaltung:
I | Perspektiven der Ethnologie
Termin:
Dienstag, 02.10.2007, 09:00 - 11:00 Uhr
Ort:
Audimax (Gebäude), Auditorium Maximum (Hörsaal)