Workshop 20 | Podiumsdiskussion der AG Entwicklungsethnologie
Seit Beginn der Entwicklungszusammenarbeit stellt sich die Frage, wie es gelingt, Maßnahmen auch bzw. gerade für arme Bevölkerungsgruppen zu gestalten. Mit der Forderung nach umfassender Stakeholder-Partizipation bei der Planung, Implementierung und dem Monitoring von Entwicklungsmaßnahmen, die spätestens seit Ende der 1990er Jahre in die Konzepte der meisten bi- und multilateralen Entwicklungsorganisationen Eingang gefunden hat, ist der Ruf nach Beteiligung auch „der Armen“ verbunden.
Bisher gelingt es jedoch bereits auf Projektebene häufig nicht, (legitime) Repräsentanten der Armen zu beteiligen. In den nationalen Prozessen der Formulierung und Umsetzung von nationalen Armutsbekämpfungsstrategien (PRS-Prozess) spielen Vertreter/innen der Armen eine noch geringere Rolle.
Diese Situation soll im Rahmen der Diskussionsrunde beleuchtet werden, wobei Fragen der Legitimität und Repräsentation eine besondere Rolle spielen sollen.
Teilnehmer/innen
- Prof.Dr.Frank Bliss
- PD Dr. Peter Merten
- Dr. Bettina Schmidt
- NN aus dem entwicklungspolit. Institutionenbereich
Datum, Uhrzeit
Mittwoch, 03.10.2007; 14:00-18:00 Uhr
Ort
Melanchthonianum, Hörsaal Z
Vorträge & Abstracts
Dr. Bettina Schmidt (Bonn/Stuttgart): Legitimation und Repräsentation
Die außereuropäische Ethnologie und Entwicklungszusammenarbeit haben eines gemeinsam, dass sie sich als (Für-)Sprecher von Menschen und Kulturen verstehen, die im weltweiten Maßstab und mit unserem Reichtum verglichen, als „arm“ bezeichnet werden. Gemeinsam befassen sich beide intensiver den je zuvor mit dem Thema „Kultur“. Oft scheitern Entwicklungsvorhaben nicht nur aus ‚rein’ fachlichen und politischen Gründen, […]
Prof. Dr. Frank Bliss: Partizipation in der Entwicklungspolitischen Theorie und Praxis
Anküpfend an die Thematik der Podiumsdiskussion soll die Frage nach der Umsetzungspraxis von Partizipation auf Projekt- bzw. Programmebene und in nationalen PRS-Prozessen gestellt und eine Bilanz der tatsächlichen Beteiligung von vor allem Vertretern/innen der begünstigten Bevölkerung (Projekt-/Programmebene) bzw. zivilgesellschaftlicher Institutionen (nationale Ebene) gezogen werden. Dabei werden vier grundlegenden Problembereiche von Partizipation in der Entwicklungspraxis […]
PD Dr. Peter Merten: Entwicklung und Tradition
In den meisten Entwicklungsländern und ihren Regionen bzw. den meisten Sphären von sogenannten Entwicklungsgesellschaften überlagern sich „moderne“ und „traditionelle“ Strukturen und Institutionen. „Tradition“ behindert in diesem Kontext oft die Entfaltung von Kapitalismus und westlich definierter sozialer Emanzipation, zudem schützt sie häufig die Belange der Schwächsten und Ärmsten. Neben einer nochmaligen Definition („Tradition“ vs. „Moderne“) […]