Workshop 9 | AG Sozialanthropologie Europas
Nachdem von der AG Sozialanthropologie Europas dem Thema Minderheiten der Vorzug gegeben wurde, soll das Treffen unserer Arbeitsgruppe ausloten, welche Funktion Minderheiten für die Ethnologie spielten. Sowohl der historische Kontext, als auch nationale Ethnologietraditionen haben die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Minderheiten geprägt. Ob sich hier besondere Muster erkennen lassen, die typisch für eine ethnologische Diskussion sind, gilt es herauszufinden. Ebenso stellt sich die Frage, ob ethnologische Beiträge auch den gesamtgesellschaftlichen Diskurs um die Minderheit(en) mitbestimmten oder heute bestimmen.
Für die Vorträge sind alle Themen willkommen, die das Thema in seiner gesamten Breite abdecken. Hierbei sollen auch gerade historische Aspekte nicht ausgeklammert bleiben. Zu fragen wäre beispielsweise auch nach der Rolle, die Minderheiten spielten als sich die europäischen Nationalstaaten – insbesondere im Osten und Süden Europas – gründeten.
Doch auch den aktuellen europäischen Entwicklungen sollte die Themenauswahl Rechnung tragen, indem zu untersuchen wäre, welche Stellung Minderheiten in den aktuellen politisch-gesellschaftlichen Prozessen zukommt. Dies gilt insbesondere auch für die eigene Gesellschaft. Welche Aufgaben nehmen hier Minderheiten wahr? Werden Minderheiten von der Mehrheit als Normabweichler beschrieben und als ein Gegenbild aufgebaut? Versichert sich die Mehrheitsgesellschaft so ihrer eigenen Identität und ist dies ein Vorgang, der sich verallgemeinern lässt?
Diese Thematik lässt sich auch in den vom Vorstand vorgegebenen Rahmen der DGV-Tagung einbauen. Unter dem Motto „Streitfragen“ kann auch die AG Sozialanthropologie Europas der von Richard Rottenburg aufgeworfenen Problemstellung nachgehen und versuchen zu klären, „welche Rolle heute kulturelle Differenz für die ethnologische Methodologie“ spielt.
Organisation
Udo Mischek; Göttingen, Institut für EthnologieDatum, Uhrzeit
Mittwoch, 03.10.2007, 14:00-18:00 Uhr
Ort
Melanchthonianum, Hörsaal B
Vorträge & Abstracts
Mihály Sárkány: The Hungarian kinship terminology of the Csángós in Moldova, Romania
The lecture in based on my fieldwork in Csángó villlages in Moldova, in 2001 and 2003. The Csángós speak Hungarian and Romanian today, though the two languages are not equally spoken in the villages, in which the inhabitants call themselves Csángós. I was mainly interested in the changes in the Hungarian terminology and its […]
Esther Baumgärtner: Vom sozialen zum kulturellen Brennpunkt: der Nutzen glokaler Jugendkultur für das Image eines marginalisierten Stadtteils
Die Möglichkeiten einer kulturellen Ausrichtung sozialer Arbeit mit Migranten werden in den letzten Jahren verstärkt in der Quartiersentwicklung eingesetzt. Dabei geht es allerdings nicht mehr nur um eine Unterstützung von Kulturvereinen und Folklore. In zunehmendem Maße wird eine hybride glokale Jugendkultur als Mittler zwischen kulturellen Praxen der Mehrheitsbevölkerung und der in ihr lebenden Minderheiten […]
Elka Tschernokoshewa: Die Hybridität von Minderheiten. Vom Störfaktor zur Grundfigur
In der Zeit der nationalen Moderne mit ihren Homogenitätsprämissen haben Minderheiten das Trauma der Differenz verkörpert. Ihre distinktive Kultur werde als Abweichung von der Norm gesehen und jenseits der Kultur der Mehrheit, somit auch der Gemeinschaft situiert: diskursiv, politisch, strukturell. Die Entstehung und Entwicklung der Wissenschaftsdisziplinen, Volks- und Völkerkunde bzw. Ethnologie sind eng mit […]
Johannes Ries und Fabian Jacobs: Roma/Zigeuner in Relation – Ethnologische Anregungen für die vergleichende Minderheitenforschung
Seit zehn Jahren etabliert sich in Leipzig ein Zentrum der ethnologischen Forschung zu den Kulturen der Roma/Zigeuner. Zu Beginn des Jahres 2005 gründete sich das Forum Tsiganologische Forschung (FTF) als einzige deutsche Institution, die sich als Teil eines europaweiten Forschernetzwerkes auf der Basis eines interaktionistischen Ansatzes mit Roma-/Zigeunergruppen auf transnationaler, nationalstaatlicher und lokaler Ebene […]
Elisabeth Tauber: Kulturelle Unsichtbarkeit und Stille aus historisch-anthropologischer Perspektive. Das Beispiel der Sinti und Manus in Mitteleuropa.
Die historische Forschung über die Verfolgung der Zigeuner in Mitteleuropa weist darauf hin, dass im Zuge der zuweilen gewaltvollen nation-state Dynamiken die Zigeunergruppen meist in kleinen Familienverbänden aufgegriffen, abgeschoben, bestraft, verfolgt, erzogen oder beschützt wurden. Der Beitrag wird folgenden Fragen nachgehen: Können wir in der Sozialen Anthropologie mögliche Rückschlüsse zwischen historischem Kontext und gegenwärtigen […]
Christian Riemenschneider: Mallorcas katholische Juden
Xuetes (katalanisch für „Schweinefleischfresser”) werden die Nachfahren von im Mittelalter zwangsgetauften Juden bis heute genannt. Über Jahrhunderte praktizierten sie jedoch die Religion ihrer Vorfahren im geheimen weiter, bis die Spanische Inquisition diesem als Häresie gebrandmarkten Tun Ende des 18. Jh. ein grausames Ende bereitete. Um nach diesen traumatischen Ereignissen auch nach außen Loyalität […]
Katrin Vogel: Venezolanische transformistas in Europa. Multiple Liminalität in der Nische der Transgender-Prostitution.
Gezielt migrieren venezolanische transformistas nach Europa, um in der Nische der Transgender-Prostitution zu schnellem Geld zu gelangen. Sie sind männlich geborene Homosexuelle, die in weiblicher Gender-Rolle leben und ihren Körper mit Hilfe plastischer Chirurgie, mit Hormonen und kosmetischen Behandlungen weiblich formen, ohne jedoch eine Geschlechtsumwandlung zu realisieren. Die von ihnen verkörperte Hyper-Weiblichkeit soll heterosexuelle […]