DGV Tagung 2007

Selbst- und Fremdrepräsentation in Südasien: Wer erklärt Indien wie?

Workshop 3 | RG Südasien

Abgesehen von manchen Adivasi-Gruppen ist Südasien keine Region, in der man „den Stimmlosen eine Stimme geben“ müsste, denn es gibt zahlreiche Wissenssysteme dieser Schrift- und Hochkultur, durch die sie sich selbst ‚erklären’ kann und dies seit Jahrtausenden auch getan hat. Selbstrepräsentation geschieht hier also z.B. – seit langer Zeit - theologisch, aber auch in zahlreichen Wissensgebieten fachlich diversifiziert, dazu natürlich aber genauso auf einer ‚folk’-Ebene, die tendenziell eher ‚oral’ ist und auf Grund dieser Tatsache – und aus Gründen der Machtbeziehungen - oft schwer(er) überliefert wird: Aber in der Gegenwart ist dies natürlich gut erforschbar. Burghart hat im obigen Aufsatz eine gewisse ‚Rivalität’ von Ethnograph und einheimischem ‚Schriftgelehrten’ (Brahmanen), den traditionellen Erklärern ihrer Kultur beschrieben und ist ausserdem auf die ‚erkenntnistheoretische Falle’ eingegangen, daß westliche (natürlich auch indische) Ethnologen z.B. einheimische und quasi theologische Kulturerklärungsmuster für ihre Forschungen als Rahmen zunächst übernommen haben (‚europäische Brahmanen’), ein subtiles Bild mit auch weitergehenden Implikationen.

Ferner spielt hier auch das große Feld des Orientalismus-Diskurses hinein. Auch die Appropriation (inhaltlich wie ökonomisch) ‚indischer’ Kulturgüter kann Thema sein: Ayurveda, Yoga, religiöse Richtungen, oder etwa die Patentierung alter indischer Medizinpflanzen durch westliche Konzerne. Es sind also Vorträge zu Feldforschungssituationen möglich, in denen solche Fragen zu Tage treten, theoretische und methodische Beiträge, die Erörterung sachlicher Bereiche (wie Ayurveda…) usw.

Andere Einzelvorträge zum Themenfeld der Regionalgruppe sind ebenfalls möglich.

Organisation

Ulrich Oberdiek; Südasien-Institut (SAI) Heidelberg, Abteilung Ethnologie

Datum, Uhrzeit

Mittwoch, 03.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort

Melanchthonianum, Hörsaal D

Vorträge & Abstracts

  • Ulrich Oberdiek: Sexualität als ‚moralischer’ diskursiver Konfliktstoff in Indien

    Anhand von Fällen in den Medien, besonders der Presse, wird der kontrovers geführte Diskurs über Sexualität in Indien vorgestellt - es gibt hier Puristen, die sich beschweren und manche, die sich für ‚Freiheit’ aussprechen sowie jene, die einfach praktizieren und den Anlass für die Beschwerden liefern. Eine populäre Sicht verbindet Indien mit dem Kamasutra. […]

  • Peter Flügel: Methodological Problems in the Anthropological Study of the Jain Tradition

    Die ethnologische Erforschung von Schriftkulturen und religiösen Traditionen wirft besondere methodische Probleme auf. Bis vor kurzem ist die Ethnologie auch bei der Erforschung der Kultur und Gesellschaft der Jainas in Indien und in der globalen Diaspora eine Hilfswissenschaft geblieben. Der Vortrag gibt einen kritischen Überblick über den Forschungsstand und einen Ausblick auf die mögliche […]

  • Daniel Münster: Den Staat repräsentieren: Überlegungen zu einer Ethnographie des indischen Staates

    In den letzten Jahren ist „der Staat” von einem Nicht-Gegenstand (Radcliffe-Brown) ins Zentrum der politikethnologischen Forschung gerückt. Die Herausforderung an die Ethnologie besteht dabei darin, den doppelten ontologischen Charakter des „Staates” methodisch in den Griff zu bekommen. Einerseits ist der „Staat” ein ideologisches Objekt, eine kulturelle Repäsentation, die ähnlich wie „Nation” einen imaginierten und […]