DGV Tagung 2007

Forschungen und Theorien in der Afroamerikaforschung: Reflexion und Standortbestimmung am Anfang des 21. Jahrhunderts

Workshop 15 | RG Afroamerika

Die Afroamerikaforschung, die sich mit den Sklavennachkommen in der Neuen Welt beschäftigt und mit den Kulturen, die auf diese zurückverweisen, verhielt sich mitunter kontrazyklisch zu den großen Trends der Ethnologie. Ihre ausdauernde Suche nach überlebenden und migrierenden Afrikanismen, die diffussionistische Denkmodelle wiederzubeleben schien, ließ sie veraltet wirken. Ihre Beiträge zu den karibischen Mischkulturen und Hybriditäten, die eine Ethnologie der Postmoderne und der Globalisierung vorwegnahmen, eilten ihrer Zeit voraus. Dies hat ein besonderes Spannungsverhältnis von Obsoletheit und Vorreitertum entstehen lassen, in das sich die Afroamerikaforschung auch gegenwärtig wieder verstrickt sieht. So haben Ethnologen seit jeher Afrika und Amerika gleichzeitig in den Blick genommen und in beiden Kontinenten aufeinander bezogen bzw. im heutigen Sinne multilokal geforscht. Doch erst heute wird die Multilokalität auch theoretisch wirksam, indem sie ein verändertes Konzept von Kultur hervorbringt, das neue Qualitäten aufweist.

J. Lorand Matorys „live dialogue“ oder Paul Gilroys „Black Atlantic“ reflektieren in diesem Sinne den Kulturbegriff in alter und neuer Weise. Die kulturellen Prozesse, die sie auf verschiedenen Seiten des Atlantiks, zwischen seinen Ufern und an den jeweiligen Küsten sowie ihrem Hinterland aufspüren, dynamisieren den Kulturbegriff in neuer Weise. Sie öffnen ihn für Bewegung und Gegenbewegung, Gegensätze und Ausgleich, Schwingungen und Wallungen.

Der diesjährige Workshop der Regionalgruppe Afroamerika lädt dazu ein, diese Problematik zu reflektieren. Beiträge zu den Vorläufern einer multilokalen empirischen Forschung in den Afroamerikastudien (z.B. William Bascom, Pierre Verger) sind ebenso erwünscht wie Forschungen zur Gegenwart oder ihren Implikationen für einen dynamischen Kulturbegriff. Zudem sind all jene herzlich zur Mitwirkung eingeladen, die anhand empirischer Beispiele einen Beitrag zur oben skizzierten Problematik leisten möchten.

Organisation

Heike Drotbohm; Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Völkerkunde
Lioba Rossbach de Olmos; Philipps-Universität Marburg, Institut für Vergleichende Kulturforschung - Völkerkunde

Datum, Uhrzeit

Mittwoch, 03.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort

Melanchthonianum, Hörsaal XV

Vorträge & Abstracts