DGV Tagung 2007

Afro-EuropäerInnen im deutschsprachigen Raum der Frühen Neuzeit

Workshop 33

Der geplante Workshop wendet sich in einem ersten Schritt den Zeugnissen afrikanischer Migrationen und Biografien im deutschsprachigen Raum des 17. und 18. Jahrhunderts zu und strebt dabei an, verschiedenen relevanten Bezugssystemen zu folgen, insbesondere den europäischen und transatlantischen Handels- sowie tansnationalen Adelsnetzwerken. Über diese Strukturen, die Migrationsbewegungen initiierten, beeinflussten, steuerten oder gestalteten, soll ein Zugang zu den Lebens-Wegen von Menschen afrikanischer Herkunft erschlossen werden, die sich dynamisch oder resistent zu ihnen verhielten, sich einfügten oder verweigerten sowie eigene Handlungsräume schufen. In einem zweiten Schritt soll nach Prozessen von Integration bzw. Exklusion gefragt werden, in die Menschen afrikanischer Herkunft eingebunden waren, von denen viele einen großen Teil ihres Lebens in Europa verbrachten. Neben den - im Gegensatz zu den westindischen Kolonien - in Europa obligatorischen Taufen, verbunden mit der Herstellung von Patenschaftsbeziehungen, und den Positionen von "Mohren" im höfischen Kontext, bildeten auch die Zünfte eine Option für Integration, insbesondere (aber nicht ausschließlich) die der Pauker und Trompeter, die afrikanische Musiker aufnahmen.

Da afrikanische Migrationen zumindest im deutschen Sprachraum des 17. und 18. Jahrhunderts bisher vergleichsweise wenig erforscht sind, liegt der Schwerpunkt auf der empirischen Bestandsaufnahme als Basis und Substanz für eine solche Forschung. Im Hinblick auf den Untersuchungsgegenstand zeigt sich gleichzeitg, dass in den letzten Jahren das Interesse an Nationen transzendierenden und verbindenden Perspektiven und die Debatten um transnational geformte Prozesse diesen Gegenstand neu konstruiert haben. Im Zentrum der Werkstatt soll daher die Frage stehen, inwieweit sich eine mikrohistorisch orientierende Forschung über Afro-EuropäerInnen im deutschen Sprachraum dieser Zeit in den Rahmen von geografisch weitere Räume umfassenden und sozial breitere Schichten einbeziehenden Konzeptionen von Migrations- und Globalgeschichte einfügen lässt und welche methodischen Zugänge sich besonders eignen, Widersprüchlichkeiten und Kontinuitäten dieser Prozesse in unterschiedlichen kulturellen Kontexten aufzuzeigen.

Organisation

Anne Kuhlmann-Smirnov; Universität Bremen

Datum, Uhrzeit

Donnerstag, 04.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort

Melanchthonianum, Hörsaal D

Vorträge & Abstracts