Workshop 33
Der geplante Workshop wendet sich in einem ersten Schritt den Zeugnissen afrikanischer Migrationen und Biografien im deutschsprachigen Raum des 17. und 18. Jahrhunderts zu und strebt dabei an, verschiedenen relevanten Bezugssystemen zu folgen, insbesondere den europäischen und transatlantischen Handels- sowie tansnationalen Adelsnetzwerken. Über diese Strukturen, die Migrationsbewegungen initiierten, beeinflussten, steuerten oder gestalteten, soll ein Zugang zu den Lebens-Wegen von Menschen afrikanischer Herkunft erschlossen werden, die sich dynamisch oder resistent zu ihnen verhielten, sich einfügten oder verweigerten sowie eigene Handlungsräume schufen. In einem zweiten Schritt soll nach Prozessen von Integration bzw. Exklusion gefragt werden, in die Menschen afrikanischer Herkunft eingebunden waren, von denen viele einen großen Teil ihres Lebens in Europa verbrachten. Neben den - im Gegensatz zu den westindischen Kolonien - in Europa obligatorischen Taufen, verbunden mit der Herstellung von Patenschaftsbeziehungen, und den Positionen von "Mohren" im höfischen Kontext, bildeten auch die Zünfte eine Option für Integration, insbesondere (aber nicht ausschließlich) die der Pauker und Trompeter, die afrikanische Musiker aufnahmen.
Da afrikanische Migrationen zumindest im deutschen Sprachraum des 17. und 18. Jahrhunderts bisher vergleichsweise wenig erforscht sind, liegt der Schwerpunkt auf der empirischen Bestandsaufnahme als Basis und Substanz für eine solche Forschung. Im Hinblick auf den Untersuchungsgegenstand zeigt sich gleichzeitg, dass in den letzten Jahren das Interesse an Nationen transzendierenden und verbindenden Perspektiven und die Debatten um transnational geformte Prozesse diesen Gegenstand neu konstruiert haben. Im Zentrum der Werkstatt soll daher die Frage stehen, inwieweit sich eine mikrohistorisch orientierende Forschung über Afro-EuropäerInnen im deutschen Sprachraum dieser Zeit in den Rahmen von geografisch weitere Räume umfassenden und sozial breitere Schichten einbeziehenden Konzeptionen von Migrations- und Globalgeschichte einfügen lässt und welche methodischen Zugänge sich besonders eignen, Widersprüchlichkeiten und Kontinuitäten dieser Prozesse in unterschiedlichen kulturellen Kontexten aufzuzeigen.
Organisation
Anne Kuhlmann-Smirnov; Universität Bremen
Datum, Uhrzeit
Donnerstag, 04.10.2007, 14:00-18:00 Uhr
Ort
Melanchthonianum, Hörsaal D
Vorträge & Abstracts
Anne Kuhlmann-Smirnov: Zwischen Gabe, Weltneugier und höfischer Repräsentation : Zur frühneuzeitlichen Präsenz und Mobilität von Afro-EuropäerInnen in Mitteleuropa
„Hofmohren” waren an den größeren mitteleuropäischen Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts keine Seltenheit. Während besonders in England und Frankreich Menschen afrikanischer Herkunft in den Hafenstädten und Metropolen unabhängig von höfischen Patronagesystemen Diasporen bildeten, ist nach derzeitigem Stand der Forschung davon auszugehen, dass sich der überwiegende Teil der Schwarzen in Mitteleuropa in der höfischen […]
Adam Jones: Integration und Exklusion: Christianus Jacob Protten Africanus in Europa und Westafrika 1715-69
Christianus Protten, Sohn eines dänischen Soldaten und einer Frau aus dem heutigen Togo, wurde in Accra geboren. Im Alter von 11 Jahren kam er nach Kopenhagen und studierte dort später Theologie. Kurz vor seinem 20. Geburtstag schloss er sich der Brüdergemeine an und verbrachte ein Jahr in Herrnhut. Von 1737 bis 1741, von […]
Paulette Reed-Anderson: Serving the King and the Kingdom: Africans at the Court of Brandenburg-Prussia before 1740
European kings, aristocrats and merchants acquired great power and wealth in the 17th and 18th centuries through the development of transatlantic trade and commerce that encompassed the continents of Europe, Africa, and North and South America. Accumulating wealth was a competitive business and those who benefited made lavish display of the profits of their […]