Workshop 12 | RG Ozeanien
Der Workshop „Zur Ozeanistik im deutschsprachigen Raum heute: Versuch einer ersten Bestandsaufnahme“ ist Teil des Versuchs, die RG Ozeanien nach einer längeren Zeit der Inaktivität wieder neu zu beleben. Es soll deshalb in diesem Workshop vor allem darum gehen, sich einen ersten Überblick darüber zu verschaffen, wie es um die Ozeanistik im deutschsprachigen Raum bestellt ist, darüber also, wer in diesem regionalen Forschungsgebiet tätig ist, welche Forschungen und Aktivitäten zu Ozeanien gegenwärtig laufen und wie die Ozeanistik als Disziplin und Ozeanien als Region institutionell im deutschen Sprachraum vertreten ist. Ziel des Workshops soll es auch sein, mögliche Felder inhaltlicher Zusammenarbeit im Rahmen der RG Ozeanien zu bestimmen, auch in Hinsicht auf zukünftige Treffen, Tagungen und Projekte. Dementsprechend sollen für den Workshop auch keine thematischen Vorgaben gemacht werden. Vielmehr soll den Interessierten die Möglichkeit gegeben werden, in Kurzpräsentationen von maximal 10 Minuten ihre aktuellen Forschungsvorhaben und Projekte vorzustellen, und in einem kurzen Statement Gelegenheit erhalten, aus der Perspektive ihres Forschungsvorhabens bzw. Projektes zum Gesamtthema der Tagung „Streitfragen – zum Verhältnis von empirischer Forschung und ethnologischer Theoriebildung am Anfang des 21. Jahrhunderts“ Stellung zu nehmen.
Organisation
Michael Dickhardt; Göttingen, Institut für EthnologieDatum, Uhrzeit
Dienstag, 02.10.2007, 14:00-18:00 Uhr
Ort
Melanchthonianum, Hörsaal A
Vorträge & Abstracts
Sina Emde: Zwischen Egalität und Hierarchie – Konflikt und Konfliktbearbeitung im postkolonialen Fiji
Fiji’s koloniale und postkoloniale Geschichte ist von Zyklen politischer Krise und Kontinuität gekennzeichnet, deren bestimmendes Merkmal die immer wiederkehrende Diskussion um Form des und Macht im multikulturellen Staat ist. Diese lokalen ‚Artikulationen’ verschiedener politischer Akteure und Bevölkerungsgruppen über Nation, Staat und Multikulturalität stehen nicht nur im Dialog mit globalen Diskursen über Indigenität, Menschenrechte und […]
Arno Pascht: Mobilität, Kulturwandel und Transnationalismus – cookinsulanische Kultur und Identität in einem globalisierten Südpazifik
Bei dem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt über den Wandel von Landrechten wurde die Rolle der hohen Migrationsrate und die große Zahl dauerhaft oder temporär in Neuseeland und Australien lebenden Cookinsulaner deutlich. Diese nehmen auf unterschiedliche Weise Einfluss auf cookinsulanische Vorstellungen und Praktiken, die mit Landrechten in Verbindung stehen. Der Kontakt zwischen ‚Heimat’ und ‚Diaspora’ […]
Alexandra Wessel: Die Repräsentation Ozeaniens im Museum der Kulturen Basel
Das Museum der Kulturen Basel realisiert eine abteilungsübergreifende Ausstellung über die Farbe Rot. Objekte aus Ozeanien, genauer aus Melanesien, werden über die Farbe Rot definiert und präsentiert. Dabei gehen wir den Fragen nach, warum wurde etwas rot gefärbt, was bedeutet die Farbe und was sagt sie über die jeweilige Kultur aus.
Anhand dieses Ausstellungsprojektes lassen […]
Eveline Dürr: Partnerschaft und Autorität in translokalen Forschungen zwischen Neuseeland und Mexiko.
Im Mittelpunkt dieses Forschungsprojekts stehen Maori- Schüler und Schülerinnen, die sich im Rahmen von Austauschprogrammen über einen längeren Zeitraum in Mexiko aufhalten und in mexikanischen Familien der oberen Mittelschicht untergebracht sind. Dabei handelt es sich um Kulturkontakte von überaus ungleichen Gruppen. Verschärft wird dieser Gegensatz durch die unterschiedliche gesellschaftliche Stellung der indigenen Bevölkerung in […]
Hilke Thode-Arora: Niuer in Neuseeland und Niue: eine transnationale Gemeinschaft und die Rolle des Flechtens für die ethnische Identität
Die kleine zentralpolynesische Insel Niue bietet aufgrund ihrer kargen Umwelt und des beschränkten Arbeitsmarktes nur begrenzte Möglichkeiten für eine Lebensgrundlage ihrer Bewohner. Folglich führte immer stärkere Abwanderung dazu, dass heute ca. 90 % aller 20.000 Personen, die sich zu ethnischen Einheit der Niuer zählen, nicht mehr auf der Insel leben, sondern meist in Neuseeland. […]
Peter Lindenmann: Signes identitaires in Neukaledonien
Vor dem Gebäude der Regierung Neukaledoniens stehen vier Fahnenmasten. Nur an dreien hängen Fahnen. Der vierte ist immer noch leer, an ihn würde die Fahne Neukaledoniens gehören. Doch die Frage nach den Signes identitaires, den Zeichen die für Neukaledonien stehen sollen, bleibt unbeantwortet, dies im Gegensatz zu Tahiti, das über Namen und Flagge verfügt. […]
Andrea Bender: Ärgerentstehung und sozialer Rang in Tonga
Den appraisal-Theorien der Emotionsentstehung zufolge führen ähnliche Bewertungen eines Ereignisses kulturübergreifend zu ähnlichen Emotionen; wie das Ereignis aber bewertet wird, hängt von kulturell definierten Konzepten, Erfahrungen und Werten ab. Ausgehend von diesem Ansatz wurden in unserem interdisziplinären Projekt die Entstehungsbedingungen negativer Emotionen wie Ärger oder Scham in Tonga und Deutschland untersucht. Wie in den […]
Susanne Kühling: Die Brise. Der Inselwind als Medium für den Kontakt mit der ozeanischen Geisterwelt
Die Brise, der allgegenwärtige Inselwind, ist ein Medium für Kontakt mit der ozeanischen Geisterwelt. Gerüche und Geräusche werden mit der Luftbewegung transportiert und sind Formen der Kommunikation zwischen Menschen und Geistern. Vibrationen, wie durch die Schneckentrompete sind ebenfalls wirksam als Medien im Kontakt mit Geistern; Rauch kann auf ihre Bewegung hindeuten. In Matten und […]
Elfriede Hermann: Konstituierungen von Selbst und Ethnie im Postmigrationskontext: Positionierungen der Fiji-Banabans
In der Folge von Migration stellen sich Fragen nach personalen und kollektiven ethnischen Identitäten in neuen Kontexten. Die Konstituierungen und Repräsentationen dieser Identitäten in den Staaten der Herkunft und der neuen Heimat fasse ich theoretisch in Termini von vielfachen Positionierungen durch Andere sowie das personale oder kollektive Selbst. Entscheidend für die Analyse der Selbst-Positionierungen […]
Alexander Solyga: Muschelgeldstudien. Zur Ethnologie des Geldes bei den Tolai der East New Britain Province, Papua New Guinea
Das Forschungsvorhaben ordnet sich in die Monetarisierungs- und Transformationsforschung der Wirtschaftsethnologie ein. Untersuchungsgegenstand ist der Umgang mit, sowie die Aneignung und die Konzeption von Geld als zentrale gesellschaftliche Steuerungsmechanismen bei der Ethnie der Tolai in der East New Britain Provinz des Staates Papua Neu Guinea. Als empirisches Fallbeispiel wird die Interaktion von staatlicher Nationalwährung […]
Michael Dickhardt: Schau nur, und also wirst du dich ändern! Zur Pragmatik der Moral diesseits von „Gut und Böse“
Bei meinen Studien zum Bereich des Moralischen in Ozeanien und dessen Wandel durch Kolonialisierung, Missionierung und Staatenbildung erwies es sich als wichtig, nicht nur einzelne Werte und Normen zu untersuchen, sondern auch die moralischen Strukturen überhaupt. Begriffliche Grundlage bildet hierbei ein kulturanthropologischer Begriff des Moralischen. Aus Gründen der heutigen Aktualität und ethnographischen Präsenz des […]
Joachim Görlich: Transformationen von Subjekt-Objekt-Beziehungen in Melanesien
Im vormodernen Melanesien verstanden sich die menschlichen Akteure als in ein sozio-kosmologisches Netzwerk mit „personifizierten Objekten” wie Gaben, Tieren, Pflanzen, Geistern und Orten eingebunden. Subjekte und „Objekte” bildeten durch soziale Interaktionen symmetrische, soziale Assoziationen. Eine solche Perspektive ist mit einem relationalen Personenkonzept verknüpft, dass durch die Einflüsse der Moderne transformiert wurde und wird. Ethnographischer […]
Corinna Erckenbrecht: Die australischen Aborigines als ‚Studienobjekte’ – Zur wissenschaftlichen Rezeption des Fremden zu Beginn des 20. Jhds. anhand eines Nachlasses und ethnographischer Sammlung
Der Vortrag gibt Einblick in Inhalte, Methoden und Ergebnisse eines dreijährigen Forschungsprojekts am Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde in Köln, das von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung finanziert wurde. Ausgehend von einer rund 800 Ethnographika umfassenden Sammlung aus Australien des deutschen Wissenschaftlers und Reisenden Hermann Klaatsch (1863 - 1916) wurde dessen unpublizierter und erst kürzlich […]