DGV Tagung 2007

Cyberculture

Workshop 30

Moderne und modernste Technik, insbesondere Informations- und Kommunikationstechnologien (ICTs), scheinen nahezu auf dem gesamten Globus allgegenwärtig geworden zu sein. Computer und Internetinfrastruktur etwa bilden längst keine Domäne für Spezialisten und esoterische Kreise mehr, sondern sind integraler Bestandteil unterschiedlichster Lebensentwürfe und des Alltags in verschiedensten Weltgegenden, sowie vor und hinter der eigenen Tür geworden.

Das große Interesse, welches während der DGV Tagung 2005 dem workshop "Cyberanthropology" sowohl von seiten der Vortragenden, als auch der Zuhörer entgegengebracht wurde, hat gezeigt, dass Ethnologinnen und Ethnologen interessiert und willens sind, sich vergleichsweise junger sozialer und kultureller Phänomene zu widmen, wie z.B. online Gemeinschaften, oder den Veränderungen in den "klassischen" Feldern der Ethnologie, die im Kielwasser der erwähnten Technik festzustellen sind. Die kulturell informierten Beziehungen zwischen Technologie auf der einen Seite, und menschlichen Organismen, Gesellschaft und der sozioökologisch geformten Umwelt auf der anderen Seite, sowie im Besonderen der Komplex 'Mensch und ICTs', sind gerade auch in der deutschsprachigen Ethnologie zu akzeptierten Themen geworden, werden nicht mehr einfach anderen Disziplinen überlassen.

Nach der "Werkschau" vor zwei Jahren ist es jetzt an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun, denn mittlerweile wurde der einzigartige Methodenfächer der Ethnologie, die ethnologischen Perspektiven, für einen Zugang zu den neuen Phänomenen bewusst justiert und angewendet. Moderne Konzepte wie soziokulturelle Aneignung und in der letzten Dekade neugeborene oder -geschaffene Bereiche wie materielle Kultur, Ethnologie der Arbeit und der Technik sind von der "Cyberanthropology" umarmt worden.

Der workshop "Cyberculture" ist als Forum gedacht, in dem Methodik, Konzepte, Modelle und Theorien, vorgetragen werden, die aus Feldarbeit - ganz gleich ob online, offline oder beides -,welche modernste Technik als einen zentralen Teilgegenstand umfasst, hervorgegangen sind. Gerade auch Visionen eines zeitgemäßen ethnologischen Kulturbegriffes sollen vorgestellt und diskutiert werden. Diese können vielleicht die Ethnologie endlich wieder befähigen, sich aus Selbstzweifel und -dekonstruktion zu erheben, und ihr besonderes Verstehenspotential auf als gesellschaftlich, politisch und ökonomisch für relevant erachtete Gegenwartsthemen zu werfen.

Vorschläge dürfen maximal 1500 Zeichen umfassen und müssen vor dem 30. Juni 2007 via e-mail: Alexander.Knorr [at] lmu.de an mich gesandt werden. Die Vorschläge können auf Deutsch oder Englisch verfasst sein. Die Vorträge im Rahmen des workshops können ebenfalls auf Deutsch oder Englisch gehalten werden, dürfen aber eine Dauer von 20 Minuten nicht überschreiten.

Organisation

Dr. Alexander Knorr; Institut für Ethnologie und Afrikanistik, Universität Muenchen; http://xirdal.lmu.de/weblog

Datum, Uhrzeit

Donnerstag, 04.10.2007, 14:00-18:00 Uhr

Ort

Melanchthonianum, Hörsaal XXI

Vorträge & Abstracts

  • Frauke Lehmann: Online-Interaktion der Entwickler Freier Software und ihre Auswirkung auf

    Bei der Untersuchung des sozialen Miteinanders der Entwickler Freier Software lassen sich einige Phänomene beobachten, die sich aus den besonderen technischen Eigenschaften des Internets ergeben. Diese Eigenschaften wirken sich im besonderen Maße auf die grundlegende kulturelle Praxis der Interaktion aus. Insbesondere die üblichen Interaktionsmerkmale der räumlichen Anwesenheit und der zeitlichen Simultaneität sind hier nicht […]

  • Sebastian Deterding: Frame games - Using Frame Analysis for studying the distinction of real and mediated experience in video games

    From Pygmalion to the Columbine high school shootings, the fear of mixing up reality and medium has accompanied occidental culture. The threat of “mixups” is usually connected to the degree of sensory realism of a medium, Presence Research being the most recent and sophisticated take in this direction. However, the question how people distinguish […]

  • Fabian Klenk: Das Mobiltelefon als kulturelles Artefakt

    Moderne technologische Artefakte wie der Computer oder das Internet sind mittlerweile nicht mehr aus unserer Welt wegzudenken. Doch sind es vor allem mobile digitale Endgeräte - allen voran das Mobiltelefon - die zu dem globalen Technikphänomen unserer Zeit geworden sind. Bereits 2001 überstieg die Anzahl der Mobiltelefonanschlüsse die der Festnetzanschlüsse in vielen afrikanischen Staaten, […]

  • Roman Röhrl: Digitale Gaben - The great online transformation

    Der Umgang mit ICTs - besonders die ökonomischen Innovationen im Zuge der Aneignung des Internets - läuft für Außenstehende oft in Prozessen ab, die schwer zu verstehen sind. Die weltweite Ratlosigkeit der Unterhaltungsindustrie sowie der Gesetzgeber in Bezug auf Filesharing oder Open-Source-Software zeigt das überdeutlich. Auch der unerwartete Erfolg von Onlinewelten wie „Everquest”, „Dark […]

  • Alexander Knorr: Cyberculture - Versuch eines Konzepts

    Alles mit dem Präfix „cyber-” Versehene wird reflexartig mit Computertechnologie und Internetinfrastruktur assoziiert. So wurde auch Cyberanthropology zunächst als die sozialwissenschaftliche Untersuchung online vermittelter Interaktion definiert, wobei eine konzeptuelle Erfassung der offline-Dimension der fraglichen Phänomene häufig vernachlässigt wurde. Escobar erweiterte das Blickfeld um Biotechnologien und formulierte ein erstes ethnologisches Makrokonzept von Cyberculture. Dahingehend verdient […]